Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 242 / 494

 

Karl Schurr

Flurnamen in Oberkochen

Wozu Flurnamen?

Nur noch wenige Bürger Oberkochens brauchen öfters die zahlreichen Flurnamen. Für die frühere Bevölkerung waren sie unentbehrliche Orientierungshilfen. Vielfalt und Wortinhalt der Flurnamen sind Ausdruck der intensiven Benutzung der Gemarkung sowie der genauen Beobachtung und Registrierung einzelner Merkmale. Landschaftliche Eigenarten, historische Vorkommnisse oder auch die Art der Verwendungsmöglichkeiten des betr. Gebiets kommen in den Namen zum Ausdruck. Flurnamen sind auch heute noch wichtig. Sie sind ein Teil der offiziellen Einteilung der Gemarkung. Im Grundbuch der Gemeinde sowie in den dazugehörigen Flurkarten (1:2500) sind die Flurnamen zusätzlich zu den Parzellennummern der einzelnen abgemarkten Grundstücke festgehalten. Ferner gibt es noch zahlreiche weitere Flurbezeichnungen, die in keinem Grundbuch festgehalten sind, sondern im Volksmund weiter überliefert werden oder sich auch noch laufend neu bilden. In Forstkarten oder Waldbeschreibungen sind viele weitere Namen enthalten, die zur Orientierung in den ausgedehnten Wäldern dienen, aber keine Flurnamen im ursprünglichem Sinne sind. In diesem Beitrag habe ich versucht, alle heute und früher gebräuchlichen Namen für Fluren, Gewanne, Gebietsteile usw. zu sammeln, sie kartenmäßig zu lokalisieren und ihren Sinngehalt zu erklären.

 

Wie entstanden Flurnamen?

Flurnamen sind sehr alt, sie entstanden sicher schon vor der Aufteilung der Felder einer Gemarkung an die einzelnen Markgenossen, also schon vor dem 8. Jahrhundert. Wald und Weiden blieben damals zunächst gemeinsames Eigentum (= gemeine Mark oder Allmend). Dennoch trugen auch sie zur Orientierung Namen. Mit der Entstehung von Privateigentum wuchs jedoch das Bedürfnis der Abgrenzung und der Benennung einzelner Flurteile. Die Fluren erhielten Namen die das Feldstück kennzeichneten. Die ältesten Flurnamen sind von der Bewirtschaftung dieses Markungsteils abgeleitet, z.B. Allmend, Trieb, Esch, Egert, Brach, Reut, Roth. So ist ein Teil der Flurnamen sicher über 1000 Jahre alt. In Urkunden aus dem 8. Jahrhundert finden sich Namen wie Au, Brühl, Wang, Loh. Salbücher aus dem 12. und 13. Jhdt. enthalten Flurnamen, die auch heute noch gelten.


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