Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 230 / 494

 

zurückzuschauen oder dies gar ein wenig resignierend lediglich weiterverwalten zu wollen. Vielmehr ist auf zahlreichen Gebieten ein gründlicher Ausbau erforderlich. Große Schritte sind in diese Richtung bereits getan worden oder stehen in naher Zukunft bevor. Dazu zählen die vieldiskutierte Stadtkernsanierung, das 1988 nach gründlicher Renovierung neugestaltete Freizeitbad »aquafit«, der Komplex Rathaus mit Bürgersaal/Hotel und ein Altenpflegeheim.

Indessen müssen wir, was die künftige Entwicklung dieser Stadt betrifft, noch ganz andere Gesichtspunkte im Auge haben. Denn gerade in einer so hochindustrialisierten Gemeinde wird bei der Zukunftsfürsorge zu berücksichtigen sein, daß der vielzitierte Wertewandel während der beiden letzten Jahrzehnte — um wenigstens einen einzigen Bereich herauszugreifen — besonders auch an der geänderten Einstellung zum Verhältnis Arbeit im Beruf — Freizeit zu beobachten ist: inmitten einer teilweise völlig neuen Sicht von Natur und Umwelt wird die Wochenarbeitszeit wohl noch weiter sinken, die Urlaubsdauer wird länger werden, viele treten wesentlich früher als in der unmittelbaren Nachkriegszeit in den Ruhestand. Einrichtungen wie das schon erwähnte »aquafit«, die in den letzten Jahren zielstrebig in der ehemaligen evangelischen Kirche ausgebaute Stadtbücherei (mit ihrer Eröffnung am 25.4.1981 fiel übrigens der von Bundespräsident Carstens persönlich vollzogene Beginn des »Erdgaszeitalters« für Oberkochen zusammen), die Musikschule oder die Volkshochschule werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn »Freizeit« bedeutet in ihrem eigentlichen Sinne »aktive freie Zeit« für Kreativität, Kommunikation. Zwischen den wichtigen Mittelstädten Aalen und Heidenheim muß Oberkochen, wenn es in einer Epoche großer Mobilität seinen bisherigen Rang als Kleinstadt mit einem dennoch beträchtlichen Wohn- und Lebenswert erhalten will, für die Zukunft verstärkte Anstrengungen unternehmen. Die Ansätze sind geschaffen; auch bei eventuell zurückgehender Finanzkraft müssen sie, wenn auch in Stufen, ausgebaut werden.

Es wäre schließlich gewiß nicht ohne Reiz, in einer, was die Nachkriegsentwicklung angeht, so besonders interessanten Stadt wie Oberkochen nun noch die parteipolitischen Strömungen und Tendenzen näher zu verfolgen. Doch mag eine pauschale Auflistung der Wahlergebnisse mit dem Schwerpunkt auf der kommunalen Seite genügen: Bei den 13 Gemeinderatswahlen seit 1947 sind bisher insgesamt 146 Sitze vergeben worden. Dabei haben die CDU mit 46, die SPD mit 43 und die Bürgergemeinschaft mit 42 Sitzen (die anderen Gruppierungen spielen seit 1971 keine Rolle mehr) in etwa dieselben Anteile errungen. Mit Rosemarie Beythien war 1959 erstmals eine Frau in den Gemeinderat gekommen; ab 1984 nahmen die Frauen jeweils 4 der 18 Sitze ein. Mit dem ehemaligen Stadtrat Georg Brunnhuber (CDU) wurde am 2.12.1990 erstmals ein Oberkochener Bürger in den Deutschen Bundestag gewählt.


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