Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 229 / 494

 

niker, das Theater in der Josefstadt Wien, die Donkosaken mit Serge Jaroff und Horst Jankowski mit seinem Chor ab) dokumentierten auch nach außen hin, daß dieses Gemeinwesen nun die Bezeichnung »Stadt« verdient habe. Unter dem Leitgedanken »Perspektiven für das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts« referierten beim Kulturring in den nächsten Monaten einige Dutzend teilweise international geschätzte Wissenschaftler vor einem stets großen Auditorium über die Chancen und Gefahren der Zukunft — für einen Ort wie Oberkochen eine großartige Bereicherung. Am Rande sei auch noch eine bezeichnende Kleinigkeit erwähnt: am Beginn des Jahres 1967 hatte die Gemeinde eine symbolhafte Spende von 100 DM an die von schweren Unwettern geschädigte Kunststadt Florenz geschickt. Eine noble und urbane Geste.

Mit Beschluß der Landesregierung v. 26.3.1968 war dann der Weg für die Festwochen im Juni dieses Jahres mit der offiziellen Stadterhebung frei.

Was im letzten Jahrzehnt der »Ära Bosch« geschah, war weniger spektakulär, aber trotzdem wichtig: Bau von Altenwohnungen, Erschließung der Heide, Ausbau der Kanalisation und der Ortsdurchfahrt, erneute Erweiterung des Gymnasiums, neuer Bauhof, Sporthalle, erweiterte Gewerbegebiete. Über andere wichtige Einrichtungen wie die 1978 gegründete Musikschule wird an anderer Stelle dieses Buches mehr gesagt. Schon 1971 war durch die Firma Carl Zeiss das Optische Museum Oberkochen eröffnet worden, das mit über 7000 Sammlungsstücken auf seinem Gebiet rasch internationale Bedeutung gewonnen hat.

Als dann Gustav Bosch im Februar 1978 nach 30 Amtsjahren feierlich in den Ruhestand verabschiedet wurde, hat ihm der Gemeinderat einstimmig »in dankbarer Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um die Stadt Oberkochen« das Ehrenbürgerrecht verliehen. Im Ehrenbürgerbrief heißt es u.a., sein Wirken sei richtungweisend »für die Entwicklung Oberkochens zu einer Stadt weltweiter industrieller Bedeutung« geworden, er habe »Oberkochen aber auch den Charakter einer liebenswerten Heimat für alle Bürger« bewahrt. An Silvester 1979 ist Gustav Bosch verstorben, die nach ihm benannte Straße verbindet den alten Ortskern mit dem großen Neubaugebiet Tierstein und führt unmittelbar auf die kirchlichen und bürgerlichen Zentren zu.

Der Nachfolger, Harald Gentsch, war am 4.12.1977 als klarer Sieger aus der Bürgermeisterwahl hervorgegangen, am 8.12.1985 ist er mit überwältigender Mehrheit auf weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt worden. Er fand bei seinem Amtsantritt natürlich eine völlig andere Situation als seinerzeit Gustav Bosch vor. Schaut man zurück, sieht man, daß eigentlich schon in der Zeit um die Stadterhebung herum die für eine Kleinstadt notwendigen Einrichtungen in ausreichendem Maße vorhanden waren; die oft geradezu stürmischen »Gründerjahre« sind längst vorbei. Es galt — und gilt — nunmehr jedoch für alle Verantwortlichen in erhöhtem Maße, nicht gelassen auf das Erreichte


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