Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 221 / 494

 

und benützt es nicht oft.« (Gustav Schoeck, Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, nach der Untersuchung von 43 Heimatbüchern aus Württemberg im Jahre 1974).

Trotz mancher erfolgversprechender Ansätze seit 1953, als Franz Balle seine »Blätter zu einem Oberkochener Heimatbüchlein« vorstellte, gibt es bisher keine zusammenfassende Darstellung Oberkochens. Wohl aber erschien, wie schon eingangs erwähnt, am 6.3.1953 unter dem Titel »Bürger und Gemeinde« auf Initiative von Gustav Bosch erstmals ein Amtsblatt, dessen Umfang Ende 1992 über 28 000 Seiten betragen hat. Erst eine spätere Generation wird würdigen können, welch getreues Spiegelbild der Entwicklung dieser in keine übliche Schablone passenden Gemeinde Oberkochen durch »Bürger und Gemeinde« ermöglicht wird. Nach den Vorstellungen des Bürgermeisters sollte dieses Gemeindeblatt (weit über den Abdruck von amtlichen Bekanntmachungen hinaus) der »vollkommenen Unterrichtung der Bürger eines demokratischen Gemeinwesens« dienen. Listigerweise fügte er nach dem entsprechenden Gemeinderatsprotokoll hinzu, das Blatt sei auch »wegen des ungeeigneten Stimmvermögens des Amtsdieners« erforderlich geworden. Die folgenden Ausführungen stützen sich stark auf die vielen verschiedenartigen Beiträge, Bekanntmachungen und Statistiken, aber auch auf den Werbeteil dieses Amtsblattes. Eine gute Orientierung über das Wachsen Oberkochens ermöglichen heute aber auch die insgesamt fünf Adreßbücher ab 1959 und die 1968 bzw. zuletzt 1993 über die Stadt erschienenen Bildbände.

Zunächst zur Entwicklung der Einwohnerzahlen der über lange Zeit hinweg größten Wachstumsgemeinde Baden-Württembergs (z.T. gerundete Zahlen): Vom Zusammenbruch bis zum Jahre 1950 mußten nicht weniger als 1100 Menschen zusätzlich untergebracht werden, 1950 hatte der kleine Ort bereits 3700 Einwohner. Aber zehn Jahre später, im Jahre 1960, hatte sich die Einwohnerzahl mit 7864 mehr als verdoppelt. Trotz des »Mauerbaues« am 13.8.1961 kamen zunächst weiterhin viele Leute nach Oberkochen. 1970 war mit 8731 Einwohnern das bisherige Maximum zu verzeichnen. Obwohl in jüngster Zeit — nicht zuletzt wegen der deutschen Wiedervereinigung und der im Frühjahr 1989 einsetzenden Zuweisung von Asylbewerbern — die Einwohnerzahl wieder zunimmt, wurde dieser Höchststand auch mehr als zwei Jahrzehnte danach noch nicht wieder ganz erreicht.

Eine wesentliche Ursache dafür ist die wie überall stark geschrumpfte Zahl der Neugeborenen: 1962 war mit 183 ein Rekord registriert worden, für 1958-67 ergab sich ein Durchschnitt von immerhin 163 Kindern pro Jahr. Die Vergleichszahl für 1968-77 ergibt nur noch 96. Der absolute Tiefpunkt war dann 1984 mit 63 Neugeborenen; 1992 waren es 64. Ferner: die von Anfang an schwierige Beschaffung von ausreichendem und — gerade auch für junge Familien — erschwinglichem Wohnraum gehört ebenfalls zu den Hauptmerkmalen der Oberkochener Nachkriegszeit. Im Herbst 1950 hatte man (bei 3700 Ein-


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