Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 216 / 494

 

hend ein Vorstand für die Milchsammelstelle berufen, der Darlehenskassenverein setzte seine Arbeit fort. Die Straßenbauverwaltung Ellwangen wurde aufgefordert, sich um die unmittelbar vor dem Einmarsch gesprengte Kocherbrücke zu kümmern, die rasch errichtete Notbrücke war am Zusammenbrechen. Der Bürgermeister und seine Beiräte bemühten sich vor allem auch um Reiseerlaubnis für Familien etwa aus Freiburg i. Br. oder aus dem Saargebiet, die in ihre frühere Heimat zurückkehren wollten. Dann galt es, die elektrische Straßenbeleuchtung wieder instandzusetzen und vorab den durch den Beschuß am 11.4.1945 schwer geschädigten Familien zu helfen.

Schon unter Richard Frank, dann aber ganz besonders nach dessen Wahl zum Bürgermeister in Unterkochen unter dem am 15.3.1946 vom Gemeinderat mit elf von zwölf Stimmen gewählten neuen Bürgermeister Rudolf Eber, der später noch über Jahrzehnte hinweg das kommunale Geschehen Oberkochens in verschiedener Weise wesentlich mitgeprägt hat, traten die zwei Hauptsorgen jener Jahre, die Sicherung der Ernährung und die Schaffung menschenwürdiger Unterkünfte, ganz in den Vordergrund. So gab es z.B. für den Normalverbraucher für den ganzen Monat November 1946 lediglich 6000 g Brot, 1000 g Fleisch, zwölf kg Kartoffeln und 500 g Zucker. Die Älteren erinnern sich sicher noch an das mühselige »Buchelesklauben«, das Sammeln von Bucheckern, in diesem Jahre. Es lohnte sich, denn für 1 kg Bucheckern gab es ohne Anrechnung auf die Fettration 150 g Öl.

In einem langen Bericht des ehemaligen US-Präsidenten Herbert Hoover v. 26.2.1947 heißt es u.a., »in der amerikanischen Zone kann die Ernte von 1946 außer der unmittelbaren Versorgung der Selbstversorger etwa 1100 Kalorien täglich an Nichtselbstversorger liefern« (gegenüber 3000 Kalorien vor dem Krieg). Aber »der gegenwärtige schreckliche Winter mit den zugefrorenen Kanälen und dem behinderten Eisenbahnverkehr hat es unmöglich gemacht, an vielen Orten auch nur den gegenwärtigen Stand der Rationierung aufrecht zu erhalten.« Mit sichtbarer Freude wurde im Protokoll des Oberkochener Gemeinderates v. 1.7.1947 festgehalten, daß nun auch hier sofort »Kinderschulspeisung für Jugendliche von sechs bis 17 Jahren« möglich sei. Der Bitte, den dafür von den Kindern zu bezahlenden Betrag von fünf bzw. zehn Pf. zu streichen, konnte wegen der schlechten Kassenlage aber nicht entsprochen werden.

Auch wenn es in den Protokollen nicht vermerkt ist, darf im übrigen doch wohl gehofft werden, daß die damals noch recht zahlreichen Oberkochener Selbstversorger den hungernden Normalversorgern auch ohne Bezahlung von ihren Naturalien abgegeben haben.

Weitere Ausführungen Hoovers, der schon 1918/19 ein Hilfsprogramm für Europa entwickelt hatte, ließen zwischen den Zeilen trotz aller Schärfe wenigstens ein bißchen Hoffnung aufkeimen: »Wer an Rache und an die Bestrafung einer großen Masse von Deutschen glaubt, die nicht an der Naziverschwörung


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