Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 202 / 494

 

Als letzte Ergänzung zum »Umbrecht-Artikel« möchte ich die Geschichte vom Oberkochener »Kaffeewunder« nacherzählen, wie sie mir Oberkochener, die damals dabei waren, 41 Jahre danach, spontan aus der Erinnerung berichteten. Diese Schilderung steht stellvertretend für viele, die in ähnlicher Weise das Oberkochen der letzten Tage im 1000jährigen Reich aus einer anderen, sehr menschlichen Weise, illustrieren:

»En dr Naacht hat sich's romgschwätzt: wann'd au an Kafeh willscht, nao muascht auf d'Baohof niebr, — dao geit's oen ommasooscht. — Gangat mr au?, hat's ghoißa. Ja, ond nao ischt ma hald ao mit ma Loidarawäagele loas ond hat denkt: holsch dr hald ao oen, wann älle oen hollad. Ond wia ma an d'Baohof niebr komma ischt, nao send scho d'Baura mit de Miischtwäaga daogwest ond heut älls draufglada, — ond älls draufglada hant dia Mannt. Deane ischt's ja ämml guad ganga em Kriag; — gsait hat ma: deane fählt bloß noa dr Persrdebbich en d'Sauschdaal. Ja ond nao ischt ma hald mit saim Loidrawäagele ao no a zwoitsmaol gfahra ond hat's vool gmacht mit Kafeh. — Dao wurscht ja hondrt Jaor aalt bis 'd dean vrdronka hascht, hat ma gsait; wissat's, des warat so Bressleng, halbr Boana ond halbr Maalz ond a bissle Zuggr en so ronde Rolla. En sälle Kriagsdäg hat mr jao scho gar nemme gwißt, wiana dear schmeckt, a räachdr Kafeh.

Schbädr ischt ma mit sällm Kafeh nao ge Hamschdara ganga. Oemaol semmr auf Dannhausa niebr ond hend a Schbaofergele oedauscht. Des hat ma en soanan Babbadegglkoffr naidriggt zum Hoimdraga. On wiama auf omschdendliche Wäag nao hoemkomma ischt, nao hat oos oes begriaßt ond hat gfraogt: ja waas guckt denn dao aus uirma Koffr raus? Iatz ischt des so a Saufiaßle gwest, des dao rauskomma isch, weil sällr Babbadegglkoffr sich a weng aufgwoichnat gheet hat vom Saaft. Woidle hat ma des Fiaßle nao wiedr neigschooba, weil des ja megglichscht neamrds het säa sodda, daß miar a Schbaofergele ghamschrad gheet hant.

Iebrigens: Enra aalda Kochamr Familie geits hait no a »Maggibäsle«, weil desjenig Bäsle, — en Ulm ischt sämml a Zuag mit Maggi gschdanda gwest, — bei iehrer Vrwandtschaft en Obrkocha Maggi gega sälln Kafeh oedauscht hat.«

Fazit:
Der vorliegende Versuch einer ersten Annäherung an das III. Reich in Oberkochen ist das Ergebnis ehrlichen Bemühens um Wahrheitsfindung in der Absicht, ein Bild dieser Zeit zu rekonstruieren.

Namen?
Es genügt, hier festzustellen, daß es sämtliche NSDAP-Funktionsstellen und Funktionsträger, von der SA über das Winterhilfswerk bis hin zur Leitung des Volkssturms in Oberkochen gegeben hat: mit Unterorganisationen einige ...zig!


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