Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 201 / 494

 

Einzug der Amerikaner übernahmen einige Männer von Oberkochen, die der NSDAP nicht angehört hatten, die Amtsgewalt auf dem Rathaus. Bald aber nach der Bildung der amerikanischen Militärregierung im Kreise, wurde der frühere Ortsvorsteher, Altbürgermeister Richard Frank, als Bürgermeister wieder eingesetzt.

Soweit Oberlehrer Ignaz Umbrecht. (Fortsetzung: Beitrag A. Seckler; bei ihm werden die letzten Kriegstage einleitend noch einmal aus der Feder von M. Gold geschildert.)

Da über die letzten Kriegstage keine schriftlichen Dokumente und Befehlserteilungen existieren, — Gemeinderatsprotokolle ab 1938 und Gemeindechronik sind in der wirren Zeit des Zusammenbruchs verbrannt worden oder verschwunden, andere offizielle Dokumente sind bis jetzt nicht bekannt geworden, — müssen einige Widersprüche im Raum stehen. Dies betrifft unter anderem die Frage, ob der Bürgermeister und sein Stellvertreter sich tatsächlich auf Befehl der Kreisleitung oder ohne einen solchen abgesetzt hatten. Auch über die Errichtung und den Wiederabbau der Panzersperren und das erstmalige Hissen der weißen Fahne gibt es verschiedene Versionen, die jedoch am Gesamtbild nichts Grundsätzliches verändern.

Im Raum steht ferner, wie es der überwiegenden Mehrheit der Gefangenen tatsächlich erging.

Eine Richtigstellung in Herrn Umbrechts Artikel scheint mir notwendig, wo er schreibt: »Nach dem Einzug der Amerikaner übernahmen einige Männer von Oberkochen, die der NSDAP nicht angehört hatten, die Amtsgewalt auf dem Rathaus«. Das stimmt für die Zeit nach dem Einmarsch. Am Tag des Einmarschs jedoch hatten die Militärs einen Rathausangestellten mit den Amtsgeschäften betraut. Dazu erhielt ich folgende Darstellung: »... Plötzlich kam der schon einmal erwähnte Franzose dahergerannt und schrie: Wir haben die weiße Fahne auf Kirchturm gehißt — die Amerikaner sind auf dem Rathaus, kommen Sie schnell. — Dort wurde der Angestellte von einem jüdischen Verbindungsoffizier, der ausgezeichnet deutsch sprach, empfangen und nach einem langen und ausführlichen Gespräch zum provisorischen (gemeint ist »kommissarisch« D .B.) Bürgermeister ernannt.«

Erst dann erfolgte die Einsetzung anderer Bürger durch die Besatzung. Dieser kleine Kreis von Bürgern wurde auf damals wie erst recht heute recht schwer einzusehende Weise zu einer Art provisorischer Verwaltung erweitert. Erst auf Drängen einiger Bürger bildete sich unter Hinzunahme weiterer Personen aus den Reihen der Bürger, die von der Militärregierung überprüft wurden, ein Beirat, basisdemokratie-ähnlich, der sich dann für die Wiedereinsetzung von Altbürgermeister Frank einsetzte. Das heißt, die Vorgänge waren wesentlich komplizierter als sie bei Herrn Umbrecht geschildert sind. Sie sind auch hier nur angerissen.


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