Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 197 / 494

 

Gummiabdichtungen an den Stahltüren gegen einen eventuellen Gasangriff. Dort lagen auch Gasmasken bereit. Alte Bierkeller in der Aalener Straße sollen gelegentlich aufgesucht worden sein. Auch ein Keller hinter der Schlächterei des »Lamm« wurde bei Luftalarm aufgesucht. Hier erlebten viele Oberkochener aus allernächster Nähe einen gezielten Luftangriff auf Oberkochen, der an späterer Stelle beschrieben wird. Im übrigen ging man bei Fliegeralarm in die eigenen Keller, die vielfach nicht viel mehr als, wie ein Altoberkochener schilderte, »Erdlöcher« waren.

Bei Kriegsbeginn waren Soldaten als »Einquartierung« nach Oberkochen gekommen. Sie waren hauptsächlich für die FLAK Stellungen (FLAK = Fliegerabwehrkanonen) zuständig. Solche Geschützstände standen an der »Mühlhalde«, im »Täle«, in den »Strickäckern«, hinter der Fa. F. Leitz, an der »Rodhalde« über der Fa. Oppold und Ecke Volkmarsbergstraße und Brunnenhalde. Beim Bergheim stand ein Scheinwerferstand. vier bis fünf Meter hohe Beobachtungsstände wurden im Zusammenhang mit der überörtlichen Luftraumbeobachtung errichtet. Diese Stellungen waren in der zweiten Kriegshälfte nicht mehr besetzt.

Oberkochen blieb, wie bekannt, bis auf die letzten Kriegstage, von direktem sächlichem Kriegsschaden verschont.

Da sich meine eigenen Nachforschungen zu den letzten Kriegstagen mit einem im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« vom 23. April 1965 von Oberlehrer Ignaz Umbrecht, (gest. 1956) erschienenen Bericht in weiten Teilen decken, halte ich es für richtig, jenen an dieser Stelle erneut zu veröffentlichen:

 

Die letzten Kriegstage in Oberkochen

Für die Ortschronik aufgezeichnet von Oberlehrer Ignaz Umbrecht, † 29. März 1956
Als man auch in Oberkochen Ende März und Anfang April 1945 fühlte, daß das schnelle Kriegsende und damit die Niederlage unseres Vaterlandes erbarmungslos herannahe, und als die Schlacht um Crailsheim das siegreiche Vordringen des mächtigen Gegners bis in unsere Nähe eindeutig zeigte, veränderte sich auch das Bild unserer Ortschaft von Tag zu Tag mehr. War schon der immer stärker anwachsende Flüchtlingsstrom der von Norden kommenden Zivilbevölkerung ein erschreckendes Anzeichen, daß die Truppen der angreifenden Amerikaner unaufhaltsam nach Süden vorrückten, so kamen bald darauf schnell zurückgehende deutsche Wehrmachtsteile aller Waffengattungen, zuerst einzeln, dann in Gruppen auf der Landstraße und in den Waldungen, die in Richtung Heidenheim — Ulm Oberschwaben zuströmten. Schon die letzten Märztage ließen erkennen, daß der Gegner im oberen Kochertal Widerstand erwartete. Fliegerangriffe mit Bordwaffen häuften sich besonders auf fahrende Züge — darunter auch ein deutscher Sanitätszug


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