Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 19 / 494

 

Aus grauer Vorzeit

Jungsteinzeit (Neolithikum, 4000-1200 v. Chr.)

Waldreiche Seitentäler im Gemarkungsgebiet von Oberkochen und zahlreiche Quellen lassen vermuten, daß hier bereits lange Zeit vor den Römern Jäger und Ackerbauern siedelten, oder, zumindest zeitweilig, ansäßig waren. Hinzu kommt eine hervorragende geographische Lage im Durchgangstal vom Kocher zur Brenz unweit der europäischen Rhein/Donau-Wasserscheide, die man an dieser Stelle als einen flachen Paß am Rande der Schwäbischen Alb bezeichnen kann.

In diesem Zusammenhang erlangen ein Zufallsfund aus dem Jahr 1953 und ein Fund aus dem Jahr 1968, Steinbeile aus der Jungsteinzeit, besondere Bedeutung.

Im August 1953 sandte Friederike Fiedler, Oberkochen, Aalener Straße 24, an OStDir Keller (Schubart-Oberschule, Aalen) folgende Notiz samt Beil: »Beim Ausheben des Erdbodens zwecks Kanalisation fand mein kleiner Bruder beim Spiele das Steinbeil und brachte es meiner Mutter.« Der Sachbearbeiter beim Landesdenkmalamt (LDA), Dr. Zürn, vermerkte später im Fundbericht dazu: »Fundort s.o. vor dem Haus, wo das Abflußrohr der Dachrinne in die Erde führt. Da das Erdloch am gleichen Tage wieder zugeschüttet wurde, konnten wir nicht untersuchen, ob noch ähnliche Dinge ausgegraben worden waren.« Offiziell wird in diesem Bericht das »Beil« als »bandkeramischer Hammer« beschrieben. Die Zeit der »Bandkeramik« (durch besonders auffälligen abstrakten auf die Keramik aufgemalten Bänderschmuck gekennzeichnete Gefäße) wird zum ältesten Zeitabschnitt der Jungsteinzeit, dem sogenannten Altneolithikum, zugerechnet (zw. 4000 und 2500 v. Chr.), d.h., der handwerklich hervorragend gearbeitete Hammer ist um die 5000 Jahre alt. Die relativ große Bohrung zum Einsetzen des Stiels bedingt natürlich eine konstruktive Schwächung — aber der Hammer ist unbeschädigt. Er befindet sich im Aalener Schubartmuseum. Am 1. Februar 1954, also fünf Monate später erst, notierte Zürn: »Forstmeister Koch, Aalen, legt am 1.2.54 einen gut erhaltenen durchbohrten Steinhammer vor. Dieser wurde von einem Schüler an OStDir. Keller (Schubart-Oberschule Aalen) überbracht. Granitartiges Gestein. Aufbewahrt in der Schubart-Oberschule. Der Hammer ist 12,3 cm lang, an seiner breitesten Stelle 5,1 cm breit. Das Bohrloch mißt 2,9 cm.«

Der zweite vorgeschichtlich-steinzeitliche Fund wurde kurz vor der Stadterhebung im Jahre 1968 von dem Oberkochener Bürger Dr. Weidmann auf einem Streifzug mit dem Ziel, Fossilien aufzuspüren, getätigt. Dr. Weidmann war ein vielseitig interessierter Forscher und ging immer mit offenen Augen durchs Gelände. Die amtliche Fundnotiz von Dr. Zürn lautet: »Steinbeil aus dunkelgrünem Gestein. (Wahrscheinlich aus dem Alpenraum stammendes Serpentingestein, (Dr. W.).) Oberfläche etwas korrodiert. Länge 7,8 cm,


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