Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 187 / 494

 

der Vereinsführer »nicht so zu benehmen weiß oder sich benehmen will, wie es billigerweise im Interesse des Zusammenlebens der Gemeindeangehörigen erwartet werden muß« — verzichte ich darauf, dasselbe hier wiederzugeben.

Statt dessen möchte ich mich auf ein Gemeinderatsprotokoll vom 21.9.1935 beziehen, aus dem hervorgeht, was ich damit meine, wenn ich schreibe: »der Oberkochener NSDAP-Gemeinderat, — der quasi im Auftrag des Staates, und den Staat im Nacken (Gleichschaltung), zum ideologischen Erpresser wurde. « Nicht in Abrede wird hierbei gestellt, daß die NSDAP Gemeinderatsmitglieder so ausgewählt waren, daß sie die Faust gar nicht empfanden.

Gemeinde Oberkochen
Verhandelt vor dem Gemeinderat am 21.9.1935
Anwesend: Vorsitzender und sechs Mitglieder (Normalzahl sechs)
Außerdem anwesend: Der Beauftragte der NSDAP, Kreisleiter... (folgt Name).

Einsetzung der Gemeinderäte

Der Beauftragte der NSDAP, Kreisleiter ... in Unterkochen hat gemäß § 51 der DGO (Deutsche Gemeinde Ordnung) zu Gemeinderäten für die Gemeinde Oberkochen berufen (Man beachte »berufen« D.B.)

folgen obige sechs Namen

Entsprechend einem Schreiben des Beauftragten der NSDAP vom 10. d. Mts. wurden die Gemeinderäte zur Vornahme der Einsetzung auf heute nachm. 3 Uhr einberufen.

Der Kreisleiter erläutert in ausführlichen Worten die Berechtigung und Pflicht der NSDAP zur Überwachung der gesamten Staatsverwaltung, und damit zusammenhängend auch die Maßnahme der Einschaltung der Partei in die Gemeindeverwaltung. Er gibt den Gemeinderäten in längeren Ausführungen Richtung und Ziel für ihre künftige Arbeit und ermahnt sie zu vertrauensvoller, verantwortlicher Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung.

Der Bürgermeister geht anschließend kurz auf die Pflichten der Gemeinderäte im Sinne der DGO ein, gibt einen kurzen Bericht über den Stand der Gemeindeverwaltung und die Finanzlage der Gemeinde. Hierauf werden die seitherigen Mitglieder des Gemeinderats auf ihren unterm 27.8.1934 abgelegten Diensteid hingewiesen, und die neu berufenen Gemeinderäte (folgen vier Namen) auf Grund des Reichsgesetzes über die Vereidigung der Beamten und der Soldaten der Wehrmacht vom 20.August 1934...vereidigt.


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