Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 186 / 494

 

30.9.1933: Debatte über die politischen Auswirkungen auf den Verein.
Fazit: Das Interesse am Verein hat stark nachgelassen.
 
1.10.1933: Verein nimmt mit Fahne am nationalen Erntedankfest teil. Veranstalter: NSDAP.
 
15.10.1933: Verein beteiligt sich mit Fahne am Festzug und Feldgottesdienst beim »Tag des Handwerks«. Veranstalter: NSDAP.
 
1934: Endgültige Neuordnung des Sports. Reichsbund für Leibesübungen wird im Sinne der NSDAP unterstützt. Ab diesem Jahr führt der Verein jährlich 3 Veranstaltungen zugunsten des WHW (Winterhilfswerk) durch.
 
15.3.1936: Ein Parteigenosse sprach über die Besetzung der entmilitarisierten Rheinlandzone und über die bevorstehende Reichstagswahl vom 29.3.1936......

Das heißt: Innerhalb weniger Monate, fast Wochen, war der Verein, — anfänglich etwas hin- und hergerissen, infiltriert. Anderen Vereinen mag es ähnlich ergangen sein.

Auch der evangelische Männergesangverein »Frohsinn« wurde aufgelöst, da wegen der Gleichschaltung des geselligen Lebens in der Gemeinde Oberkochen nur noch ein Gesangverein zugelassen war. Trotzdem überlebte der Chor: Er verwandelte sich in einen gemischten Chor und hielt am 19.10.1933 seine erste Singstunde als Evangelischer Kirchenchor Oberkochen.

Viel härter ging es im Sängerbund her. (Protokoll des Sängerbunds vom 8.9.1936):

Mit der Begründung, daß der bisherige 1. Vorstand sich Äußerungen erlaubt habe, aus denen entnommen worden ist, daß er nicht gewillt ist, einen Verein so zu führen, wie es im Sinne der NS Weltanschauung verlangt werden muß, lehnte der damalige Gemeinderat (!) einen vom Verein gestellten Antrag auf einen Zuschuß am 8.9.1936 zunächst ab. Die Genehmigung des Zuschusses wurde »so lange zurückgestellt, bis ein Wechsel in der Vorstandführung« vorgenommen würde. Daraufhin legte der amtierende 1. Vorstand sein Amt nieder. Der Wechsel fand statt, und der Zuschuß wurde am 14.10.1936 vom Gemeinderat bewilligt. Dieser Vorgang geht unter die Haut: Ein Gemeinderat, — der Oberkochener NSDAP-Gemeinderat, — der quasi im Auftrag des Staates, und den Staat im Nacken (Gleichschaltung), zum ideologischen Erpresser wurde. So knallhart lief das damals. — Die Statuten des Sängerbunds waren übrigens bereits 1934 im Sinne der Gleichschaltung geändert worden, — d.h., man hatte noch ca. zwei Jahre lang versucht, sich in Freiheit zu bewegen.

Da das Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 13.8.1936 sich im wesentlichen mit der Darstellung des Sängerbund-Protokolls deckt — der 1. Beigeordnete hatte, selbst aktives Sängerbundmitglied, zusätzlich ausgeführt, daß sich


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