Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 185 / 494

 

einige Oberkochener mit dem Fahrrad zu den Olympischen Spielen nach Berlin. Daß das Regime dort »keine schlechte Figur abgab«, ist bekannt. Doch sind die Vorzeichen der Komposition zu beachten.

In den Oberkochener Vereinen soll das kulturelle Leben nach außen hin seinen »gewohnten Gang« genommen haben. Die Wahrheit liegt jedoch unter der Decke: hinter den Kulissen spielten sich auch hier ideologische Machtkämpfe ab, die an zwei Beispielen aufgezeigt werden sollen.

Im Schwäbischen Albverein hatte die große Skizeit begonnen. Ab 1934 schon mußten die Sportler dann für die SA oder einen ausgesprochenen Sportverein laufen, — nicht mehr für einen Wanderverein. Die meisten Sportler waren allerdings bereits vor dieser Verfügung Mitglied im Turnverein.

Am Schicksal des Turnvereins, das hier in Protokollauszügen der Zeit belegt ist, ist ablesbar, mit welcher Schnelligkeit der innere Gesinnungswandel sich vollzog:

4.3.1933: Einladung der NSDAP zum Fackelzug. Der Verein lehnt ab. Vereinszweck sei der Sport, — nicht eine parteipolitische Betätigung.
 
29.4.1933: Anläßlich einer Versammlung wurde bereits die Nationalhymne gesungen. — SA, HJ und Stahlhelm, haben den Antrag auf Benutzung der TVO-Turnhalle gestellt. Genehmigung für SA, Ablehnung für Stahlhelm und HJ. — Beschluß: der Verein beteiligt sich jetzt am Fackelzug der NSDAP.
 
1.5.1933: Tag der Nationalen Arbeit; mit Vereinsfahne am Festzug beteiligt. Große und einmütige Anteilnahme der Bevölkerung.
 
Juni 1933: Einführung des »Wehrturnens«. Hierzu werden zwei Mitglieder zu einem Lehrgang auf dem Braunenberg bestellt.
 
2.6.1933: Der Vorsitzende wollte aus Gründen der Gleichschaltung sein Amt als 1. Vorstand niederlegen. Versammlung weist alle Angriffe von politischer Seite als unbegründet zurück.
Der 1. Vorstand bleibt.
 
24.6.1933: »Fest der Jugend« neu eingeführt (ganze Ortsjugend).
Abends: Volkmarsberg-Höhenfeuer. Der Verein beteiligt sich mit 60 Mitgliedern. Veranstalter: NSDAP.
 
25.7.1933: Eintrag: Durch die Jugendabteilung der Partei ist der Verein sehr geschwächt und gefährdet.
 
1./2.7.1933: Gauturnfest Herbrechtingen »im Zeichen der nationalen Erhebung«
 
Juli 1933: Der Verein stellt sich ganz hinter die Sportführung der NSDAP.

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