Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 180 / 494

 

Gemeinderäten zur Beratung mit der Aufforderung evt. Bedenken gegen seine Absicht, den Antrag auf Aufhebung der kath. Volksschule zu stellen, vorzubringen.

Die beiden Beigeordneten haben in einer stattgehabten Vorbesprechung dieser Absicht des Bürgermeisters rückhaltslos zugestimmt. Die Gemeinderäte bringen in der heutigen Beratung einstimmig ihre Ansicht dahingehend zum Ausdruck, daß die schulorganisatorischen Verhältnisse wie auch die finanziellen Verhältnisse die Aufhebung der katholischen Bekenntnisschule in Oberkochen dringend erfordern. Der Bürgermeister faßt hierauf folgende

ENTSCHLIEßUNG:

Den Herrn Württ. Kultminister zu bitten, aus eingangs angeführten Gründen die Aufhebung der kath. Bekenntnisschule in Oberkochen zu verfügen und gegebenenfalls die Verfügung möglichst mit Wiederbeginn des Schulunterrichts auf 7. Januar 1937 in Kraft treten zu lassen.

Das Gemeinderatsprotokoll vom 21. Januar 1937 heißt dann lapidar:

Der Bürgermeister teilt den Gemeinderäten mit, daß der Herr Kultminister durch Erlass vom 4. Jan. 1937 dem mit oben geschilderten Antrag des Bürgermeisters auf Aufhebung der einklassigen kath. Bekenntnisschule in Oberkochen stattgegeben hat.

Die Eingliederung der Schüler dieser Bekenntnisschule in die Deutsche Volksschule ist in der Zwischenzeit bereits erfolgt.

Es war also gelungen, sich der unerwünschten Konfessionsschule unter Berufung auf organisatorische Probleme auf elegante Weise zu entledigen.

Zur weiteren Illustration seien eine harmlos erscheinende und eine tiefgreifende Begebenheit berichtet: ABC-Schützen nationalsozialistischer Eltern bekamen am ersten Schultag eine Rote Wurst, — Kinder von Nichtnazis erst nach Intervention; so weit ging die Diffamierung Andersdenkender im Detail. Verbürgt ist auch die Äußerung des letzten Kreisleiters, der im Hinblick auf ein Kruzifix gesagt hat: »Auch dieser Judenbube muß noch aus den Schul- und Amtsstuben verschwinden.« In Oberkochen wurden die Kruzifixe tatsächlich aus den Klassenzimmern entfernt.

Im Ort ging mit der Erweiterung der Industrie ein schnelles Wachstum an Wohnbauten einher. Eine Reihe von Baugebieten wurde zügig erschlossen und bebaut: Der Turmweg (mit staatlichen Mitteln; Einfamilienhäuser gab es um ca. RM 4000. Die Firmen gaben zinslose Darlehen). Die Volkmarsbergstraße mit Stichstraßen bis Haus Illg. Finken- und Starenweg durch die Firma Fritz Leitz, das Dreißental Richtung Schützenhaus. Meisengasse, Försterstraße. Auch in der Keltenstraße wurde gebaut. Im Bühl wurden, nunmehr mit Bagger, vor Kriegsausbruch noch sechs bis acht Baugruben teilweise ausge-


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