Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 179 / 494

 

Einige wenige bröckelten im Lauf des Jahres ab, bis das »Klassenziel« der Partei erreicht war: Zu Beginn des neuen Schuljahrs 1937 verkündete der damalige Schulleiter, es seien zu wenig Schüler für eine Schule übrig, — die Schule müsse geschlossen werden. Die Schüler sollten dann rüber in die Deutsche Volksschule gehen. Da die Schüler nicht wußten wie und was, gingen die meisten nach Hause. Die Eltern, die ihre Kinder nicht umgehend in die Deutsche Volksschule schickten, wurden wegen »Schulschwänzen« ihrer Kinder angegangen. Es hat Strafbefehle gegeben.
Dafür war ab sofort am 20. April, Hitlers Geburtstag, schulfrei...

Das entsprechende Gemeinderatsprotokoll mit dem Titel »Katholische Bekenntnisschule — Antrag auf Aufhebung« vom 22. Dezember 1936, schildert die Situation wie folgt:

Gemeinde Oberkochen
Beraten mit den Gemeinderäten am 22. Dezember 1936
Anwesend: Der Bürgermeister und sechs Gemeinderäte. Normalzahl sechs;
außerdem anwesend: zwei Beigeordnete und der Gemeindepfleger

Katholische Bekenntnisschule. Antrag auf Aufhebung.

Die bei der Einführung der Deutschen Volksschule übriggebliebene einklassige kath. Bekenntnisschule wird zur Zeit noch von 33 Kindern besucht. Die Zahl der Erziehungsberechtigten dieser Kinder beträgt 19. Nach einer dem Bürgermeister vom Schulleiter übergebenen Aufstellung über die Schülerzahlen an der Deutschen Volksschule beträgt der Klassendurchschnitt dort 61,5 Schüler.

Der Bürgermeister beleuchtet den Gemeinderäten die Auswirkung dieser Schülerzahlen hinsichtlich des Schulbetriebs der beiden Schulen und im Verhältnis zueinander. Als wesentliches Merkmal ist dabei herauszustellen, daß der geordnete Schulbetrieb an der Deutschen Volksschule durch die Weiterführung der kath. Bekenntnisschule insoweit gefährdet werden könnte, als die Schülerzahlen an der Deutschen Volksschule mit Rücksicht auf die starke Bevölkerungszunahme der Industriegemeinde dauernd im Steigen begriffen ist, sodaß hierdurch eine Teilung dieser Klassen notwendig werden wird. Diese Teilung ist aber aus finanziellen Gründen zu einem naheliegenden Zeitpunkt nicht möglich (Schulraummangel).

So wie sich die Schulverhältnisse, bedingt durch die Schülerzahlen, entwickelt haben, ist ein geordneter Schulbetrieb bei Weiterbestehung der kath. Bekenntnisschule nicht mehr durchführbar und es erfordern die örtlichen schulorganisatorischen Verhältnisse dringend die Aufhebung der kath. Bekenntnisschule. Der Bürgermeister stellt diese Frage den


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