Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 178 / 494

 

Maschinen wurden angeschafft. Elektrizität gab es in Oberkochen übrigens bereits im Ersten Weltkrieg. »Oberkochen war doch kein Buschdorf vor dem III. Reich«, wehrte sich ein Alt-Oberkochener als er hörte, der Strom hier sei erst ab Hitler geflossen.

Nun war aber bereits kurz nach der Machtergreifung eine erste für Oberkochen bedeutende Entscheidung gefallen. Die Brüder Leitz trennten sich in der Produktion. Während Albert, vermutlich auch aus ideologischen Gründen (hier gibt es keine einhellige Meinung), in der Produktion von Holzbearbeitungswerkzeugen und entsprechenden Maschinen verblieb, stellte Fritz Leitz — ein heißer Draht zur politischen Führung war vorhanden — auf einen eigenen Rüstungsbetrieb um. Die Bautätigkeit hatte lange vor der juristischen Trennung im Jahr 1938 begonnen. Der Betrieb Fritz Leitz war bereits 1939 überproportional gewachsen.

Die Entscheidung, ob man »in die Rüstung« gehe oder nicht, hing nicht nur mit der Größe und dem Unternehmergeist der Firma zusammen, — das wird in Oberkochen teilweise wohl falsch gesehen, — sondern war in unterschiedlichen Graden auch Einstellungssache gegenüber dem Rüstungsgedanken und gegenüber dem dahinterstehenden Regime.

Hieraus entstanden weitere Spannungen im Ort, die leicht nachzuvollziehen sind, und die nicht auf die Seite geschoben werden können. So machte man in den Firmen Jakob Schmid und August Oppold keinen Hehl daraus, daß man sich dem Trend nicht anschließe. Das heißt: Es war nicht nur so, daß man keine Rüstungsaufträge bekam, — man wollte vielmehr auch keine. Wer die Situation im III. Reich einigermaßen nüchtern überblickt, kann nachvollziehen, daß das bewußte »Nicht-Wollen« Auswirkungen auch auf die weiterlaufende Produktion nach sich zog. Auf gut Deutsch: Man wurde aufgrund der Antihaltung »geschnitten«.

Zwei Seiten hatte auch die Entwicklung des Volksschulwesens. Wenn wir erfahren, daß 1936 die Konfessionsschulen aufgelöst wurden, und die katholische Konfessionsschule mit 39 Schülern noch ein Jahr weiterlief, so liest sich das unverfänglich. Man weiß ja: III. Reich . (Bericht V. Schrenk)

Ganz anders wird dieses eine Jahr beleuchtet, wenn man erfährt, wie es zustande kam: Den Schülern hatte man zur Einführung der Deutschen Volksschule einen Zettel mit nach Hause gegeben, den sie am nächsten Tag mit der Einverständnisunterschrift (Auflösung Konfessionsschulen) wieder mit zur Schule bringen mußten. Viele Eltern lieferten diese Unterschrift nicht, worauf sich eine Abordnung von Schule und Partei auf den Weg zum Hausieren von Elternunterschriften machte. Die nach dieser Aktion verbliebenen Eltern protestierten unter Berufung auf das am 20.7.1933 zwischen dem Hl. Stuhl und dem Hitlerregime abgeschlossene Konkordat beim Schulleiter und bewirkten die Belassung einer katholischen Konfessionsschule, die dann aus 39 Schülern in einer Klasse bestand.


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