Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 175 / 494

 

Ein hervorragendes Beispiel erster Auswirkungen der Ausbreitung der NS-Ideologie nach 1933 ist das Schicksal der Oberkochener »Kriegerkameradschaft« (auch Militärverein), die kurz nach der Machtübernahme 1933 verboten wurde und weitgehend im »Kyffhäuserbund« aufging. Die Kriegerkamerad-

schaft war eine Vereinigung von Veteranen des ersten Weltkriegs unter anderen Mitgliedern. Aus den Protokollen ist zu entnehmen, daß diese Vereinigung zu den damals wohl größten Vereinigungen Oberkochens zählte. Am 16.2.1934 erschienen zu einer Versammlung im »Hirsch« nicht weniger als 205 Teilnehmer! Auf einem nach dem Kirchgang am Totengedenktag 1933 aufgenommenen Photo vor dem Lindenbrunnen befinden sich vorwiegend Personen aus diesem Kreis, — mit Zylinder und Frack. Außerdem sind einige Oberkochener SA-Männer der ersten Stunde zu erkennen, denen man übrigens recht skeptisch gegenüberstand — was aus der Beschreibung der Vorgänge auf dem Rathaus nicht überrascht. Die SA hatte die Absicht, diesen Personenkreis ins Nationalsozialistische hinüberzuziehen. (Protokoll der Kriegerkameradschaft vom 12.2.1934: Ausschußsitzung zum Thema »Eingliederung der Kriegerkameradschaft in die SA-Reserve II«). Nur ein kleiner Teil allerdings zeigte sich dem neuen Gedankengut gegenüber aufgeschlossen. Nicht nur einmal bekam ich von befragten Oberkochenern zu hören: »Der Hitler hatte es nicht leicht in Oberkochen«.

»Politisch« im eigentlichen Sinn waren weder die Kriegerkameradschaft noch der Kyffhäuserbund. Vielmehr waren sie beide Vereinigungen, die die Tradi-


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