Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 174 / 494

 

amtes in der hiesigen Gemeinde nicht mehr in Frage kommt. Der seither in der Sache entstandene Schriftwechsel wird dem Gemeinderat zur Kenntnis gegeben.

In der Aussprache kommt zum Ausdruck, daß es der Gemeinderat unter allen Umständen ablehnt, mit dem (seitherigen) Bürgermeister zusammenzuarbeiten. Die frühere Einstellung des BM gegen die nationalsozialistische Bewegung und die in dieser (NS Bewegung) tätigen Einwohner von Oberkochen verlange es unbedingt, daß bezügl. der Ortsvorsteherstelle ein Wechsel eintritt. Außerdem steht der Gemeinderat auf dem Standpunkt, daß der BM gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, das Amt zu versehen. Es wäre unbedingt mit dem früheren Zustand zu rechnen, daß der BM alljährlich einige Monate dienstunfähig ist, und daß hierdurch eben die Geschäftsführung des Bürgermeisteramts wie seither sehr nachteilig beeinträchtigt würde. Weiter kommt zum Ausdruck, daß der Gemeinderat zu der Überzeugung gekommen ist, daß es der BM mit der Einreichung seines Pensionierungsantrags gar nicht ernst meinte, sondern hiermit nur ein Mittel finden wollte, um ihm unangenehmen Auseinandersetzungen zu entgehen.

Der Gemeinderat beschließt:
1.) Dem Bürgermeister mitzuteilen, daß der Gemeinderat nicht in der Lage ist, mit ihm irgendwie zusammenzuarbeiten.
2.) von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu geben: der Kreisleitung Aalen der NSDAP der Gauleitung Württemberg dem Kommissariat bei der Min.Abt.f. Bez.u.Körperschafts-Verwaltung in Stuttgart und
3.) Letzteres zu ersuchen, für eine anderweitige Besetzung der hiesigen Ortsvorsteherstelle Sorge zu tragen.
Zur Beurkundung (folgen sechs Namen)

Durch Entschließung des Herrn Reichsstatthalters wurde der Bürgermeister mit Wirkung vom 7.12.33 in den Ruhestand versetzt und sofort ein Amtsverweser bestellt, der dann ab 14.7.34 als Bürgermeister der Gemeinde die Geschicke Oberkochens im III. Reich leitete.

Dies waren historische Ereignisse, die an den Oberkochenern nicht spurlos vorbei gehen konnten, und die unweigerlich zu Spannungen zwischen einer betroffenen Minderheit mit der Mehrheit führen mußten, — zu Spannungen, die nur unter Kontrolle gehalten werden konnten, weil das Regime, das örtliche mit der Faust des überörtlichen im Nacken, sich mit allen Mitteln durchsetzte. Das Recht auf freie Meinungsäußerung war abgeschafft, — nicht nur im Reich, — auch in Oberkochen, wie später zu lesen sein wird.


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