Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 173 / 494

 

trumspartei sich aufgelöst habe. Damit sei die Voraussetzung für die fernere Zugehörigkeit der Zentrumsgemeinderäte zum Gemeinderatskollegium entfallen. Er fordere sie daher auf, ihr Mandat niederzulegen und die heutige Sitzung sofort zu verlassen, damit die Ergänzung des Gemeinderats durch die Ersatzmänner der N.S.D.A.P. Ortsgruppe Oberkochen sofort durchgeführt werden könne. Der Ausschluß der in Frage kommenden Gemeinderäte sei eine zwangsläufige Folge ihres seitherigen ablehnenden Verhaltens gegenüber der Gemeinderatsfraktion der N.S.D.A.P.

Ohne eine Erklärung zu der Forderung des stellv. Vorsitzenden abzugeben verlassen die Herren

(folgen fünf Namen)

die Sitzung.

Der stellv. Vorsitzende erklärt hierauf, daß er die vorgenannten Herren als aus dem Gemeinderat ausgeschlossen betrachte. Zur Herstellung der Beschlußfähigkeit des Gemeinderats berufe er in denselben die Ersatzmänner der N.S.D.A.P. Ortsgruppe Oberkochen und zwar die Herren (folgen drei Namen und Berufe).

Nach dem Gesetz v. 12.4.33 waren die Gemeinderäte aufgelöst worden. Die Mitgliederzahl im Oberkochener Gemeinderat wurde von zwölf auf sechs Mitglieder herabgesetzt.

Aus einem Gemeinderatsprotokoll vom 23.11.33 wird ersichtlich, wie ein NSDAP-Schrumpf-Gemeinderat (später wurden noch zwei Beigeordnete bestellt) den bisherigen Bürgermeister aufgrund seiner Anti-NS-Gesinnung entmachtete:

Oberkochen/Oberamt Aalen
Niederschrift über die Verhandlung des Gemeinderats am 23. November 1933
Anwesend: Stellvertreter des BM und fünf Mitglieder,
zwei Mandate nicht besetzt.

Der Bürgermeisteramtsverweser eröffnet die Sitzung unter Bekanntgabe einer Zuschrift des Bürgermeisters, wonach dieser am 1. Dezember des Jahres wieder seinen Dienst antreten will. Der Amtsverweser gibt dem Gemeinderat zur Kenntnis, daß zugleich in seiner Eigenschaft als Ortsgruppenleiter der NSDAP er sich an die Kreisleitung Aalen, an die Gauleitung und durch die Kreisleitung an das Kommissariat für Bezirks- und Körperschaftsverwaltung gewandt habe mit dem Ersuchen, die Wiederamtsübernahme durch den Bürgermeister zu verhindern. Er könne es von seinem Standpunkt aus nicht verantworten, wenn er nicht alles unternehme, um dafür zu sorgen, daß der BM für die Ausübung des Ortsvorsteher-


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