Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 169 / 494

 

Dietrich Bantel

Das III. Reich in Oberkochen

Berichte, Gedanken, Meinungen Oberkochener Bürger, — Streiflichter und Erinnerungen und Auszüge aus den Protokollen (bis 28.12.37) des Oberkochener Gemeinderats zum III. Reich

 

Ein Mosaik

Oberkochen war in der Weimarer Zeit (1919 bis 1933) ein relativ armes Bauern- und Industriedorf, — relativ deshalb, weil durch die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Unternehmergeist aufgekommene Industrialisierung, das heißt die Verlagerung von Handwerk auf maschinelle Produktion, Oberkochen sich neben Remscheid und Schmalkalden bereits bis 1933 trotz aller Zeitwiderwärtigkeiten einen immerhin beachtlichen Platz in der Werkzeugindustrie für maschinelle Holzbearbeitung gesichert hatte. (vergl. J. u. M. Kämmerer, Vom Dorf zur Industriegemeinde).

Die Weltwirtschaftskrise war jedoch auch an Oberkochen nicht spurlos vorübergegangen. Besonders schlecht war es — wie zu Beginn der Dreißigerjahre in ganz Deutschland — um die Arbeitsplätze bestellt.

Gegen Ende der Weimarer Zeit gab es auch hier in Oberkochen viele der berühmten 30 Parteien, die, jede auf ihre Weise, in edlem oder weniger edlem Wettstreit Werbung für ihre Ideen betrieben. Lastwagen, mit Plakaten behangen und mit singenden Gruppen auf der Pritsche, fuhren in den frühen 30er Jahren durch den Ort. Straßen und Wände wurden mit Parolen beklebt und beschmiert, wie das heute auch noch vorkommt.

Am 6.11.1932 fanden die letzten Wahlen zum Reichstag vor der Machtergreifung statt. 1001 Oberkochener waren wahlberechtigt. Aus insgesamt 866 gültigen Stimmen entfielen auf

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: 201 Stimmen = 23,2 %
Deutsche Volkspartei: 1 Stimme
Zentrum: 477 Stimmen = 55,1 %
Sozialdemokratische Partei Deutschland: 20 Stimmen
Kommunistische Partei Deutschland: 113 Stimmen = 13,1 %
Deutschnationale Partei: 31 Stimmen = 3,6 %
Deutsche Demokratische Partei: 10 Stimmen
Christlich Sozialer Volksdienst: 4 Stimmen
Bauern- und Weingärtnerbund: 5 Stimmen
sonstige: 4 Stimmen

Die Zentrumsmehrheit blieb in Oberkochen bis über die Machtübernahme hinaus stabil.


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