Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 167 / 494

 

rin fand zufällig den Toten im Gestrüpp. Der ruhige und allgemein beliebte Mann hinterließ eine Frau und zwei Söhne. Mit der Familie trauerte auch die ganze Gemeinde. Im Ellwanger Landgericht fand der Prozeß gegen den Mörder statt.

Eine schwere Zeit für die Nichtlandwirte war die Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Herbst 1923. Etliche Familien verdankten bei der riesigen Lebensmittelknappheit guten Menschen Hilfe in der Not. Einem schlauen Gast- und Landwirt, der neben Vieh auch ein Pferd besaß, passierte folgende Geschichte: Bei einer Schwarzschlachtung floß Blut aus seiner Scheune, was der Polizei zu Ohren kam. Anläßlich einer Vernehmung an Ort und Stelle zeigte der Wirt am Kopf des Schweines den Abdruck eines Hufeisens und schilderte den Vorgang so, daß das losgewordene Pferd in der Nacht mit einem Hufschlag das Schwein getötet hatte. Dabei vollzog der Wirt die Tötung mit einer Axt, an deren Kopfende ein Hufeisen befestigt war.

Mein Vater besuchte einen Schwager im Schwarzwald, der eine Landwirtschaft betrieb und trat mit etlichen Kilo Butter im Rucksack die Heimreise an. Im letzten Zug von Stuttgart nach Aalen erfuhr er, daß die Polizei auf dem Bahnhof in Aalen den Reisenden alle gehamsterten Lebensmittel abnahm. So stieg spät in der Nacht der Vater in Essingen aus und wanderte über den Volkmarsbergsattel heimwärts. Schweißgebadet kam er gegen 2.00 Uhr morgens daheim an, nachdem wir uns um ihn große Sorgen gemacht hatten.


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