Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 160 / 494

 

betragen hatte (wovon immerhin 979 in der Industrie beschäftigt waren), so sollte sie sich in kaum mehr als 15 Jahren verdreifachen. Anfang 1955 zählte die Gemeinde 5 722 Bürger, ihnen standen bereits 5 192 Industriearbeitsplätze zur Verfügung. Der Aufschwung, mit dem Oberkochen in ganz Württemberg kein Gegenstück hat, hielt an bis in die späten sechziger Jahre, als die nunmehr zur (Industrie-)Stadt gewordene Gemeinde beinahe die 9 000-Einwohner-Grenze erreichte. Von den im Jahre 1970 gezählten 6 834 Industriebeschäftigten arbeiteten 4 919 (72%) bei Carl Zeiss, täglich pendelten (im Jahre 1966) 3 552 Beschäftigte zu ihrem Oberkochener Arbeitsplatz ein, die Zahl der Auspendler betrug demgegenüber nur 397.

1987, im Jahre der letzten Arbeitsstättenzählung, fanden bei allgemein weniger günstiger Wirtschaftslage bei 7 900 Einwohnern 8 311 Personen in Oberkochen Arbeit, davon 6 359 im verarbeitenden Gewerbe. Von den 8 311 in Oberkochen Beschäftigten kamen 5 105 von außerhalb; die Arbeitslosenquote betrug zu dieser Zeit 3,4%. Notwendige Rationalisierungsmaßnahmen der Industrie und die Auswirkungen der derzeitigen Rezession ließen diese Arbeitslosenquote allerdings auf 4,7% (Stand 30.6.1992) ansteigen.

Für die neu hinzukommenden Beschäftigten wurden allein in den Jahren 1948 bis 1970 insgesamt 2 178 Wohnungen erstellt, das sind 76,9% des Gesamtbestandes von 1970. Von diesen baute oder förderte 1152 (also 52,9%) die Firma Carl Zeiss. Die Industrie trug auch zum Aufbau kultureller Einrichtungen bei — es seien nur genannt die Stichworte Carl-Zeiss-Kulturring, Volksbildungswerk, Optisches Museum — neben einer Vielzahl von sozialen Einrichtungen. Zahlreiche Firmengäste aus dem In- und Ausland ließen Gastronomie und Hotelwesen aufblühen.

Lassen wir unseren Blick abschließend noch einmal zurückschweifen durch die Jahrhunderte, bis zu den Anfängen der Oberkochener Industriegeschichte. Auf unseren Reisenden aus dem Welschland etwa, wenn er aus dem Walde hervortritt und den Hochofen am Kocherursprung sowie die vielen rauchenden Meiler an den Hängen unter sich erblickt. Ihm ist sicher nicht bewußt, daß er in diesem Augenblick Zeuge des Beginns einer Entwicklung wird, die den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit charakterisiert und diese von nun an bestimmen soll, einer Entwicklung, die unter seiner eigenen tatkräftigen Mitwirkung vorangetrieben wurde: der Industrialisierung der Ostalb.

Es läßt sich gleichwohl keinesfalls behaupten, daß die Industrialisierung stets kontinuierlich fortgeschritten wäre; konsequent jedoch verlief diese Entwicklung allemal. Die Aufgabe der Erzverhüttung im Jahre 1634 betraf in erster Linie die Gemeinde Oberkochen, denn in den umliegenden Gemeinden wurde die Verhüttung von Eisenerz weiterhin betrieben. Noch heute bestehen in Königsbronn und Wasseralfingen die »Schwäbischen Hüttenwerke«. Oberkochen war lediglich von der aktiven Teilnahme an den industriellen Entwicklungen ausgeschlossen, doch war es seinen Einwohnern nicht verwehrt, diese mit Interesse zu verfolgen, gegebenenfalls in den Schmelz- und Schmiedebe-


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