Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 15 / 494

 

Wegfall der örtlichen Zollgrenze, der Gründung des Zollvereins zwischen Württemberg und Bayern (1827/28) und schließlich des deutschen Zollvereins im Jahre 1833 wurde ein zollfreier Handel von Oberkochen aus mit fast allen deutschen Staaten möglich. Dies war eine günstige Ausgangsbasis für das Hafnergewerbe (A. MAGER: Hafner), das in dieser Zeit in Oberkochen einen großen Aufschwung erlebte und für die Bohrermacher (M. u. J. KÄMMERER: Vom Dorf zur Industriegemeinde), die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Produktion begannen.

Ebenfalls als von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Oberkochens erwies sich der Anschluß an das Eisenbahnnetz 1864 (K. SEIDEL: Oberkochen und die Eisenbahn). Dadurch wurde der Export handwerklicher und industrieller Erzeugnisse sowie von Holz wesentlich einfacher, schneller und billiger.

Oberkochen in der Mitte des 19. Jahrhunderts schildert R. HEITELE (Momentaufnahmen zu einem Bild von 1847) anhand einer gemalten farbigen Ortsansicht.

Auch um das körperliche Wohlbefinden der Mitbürger bemühte sich die Gemeinde Oberkochen. Zwar wurde nicht — wie ein Jahrhundert später — ein Hallenbad erstellt oder über ein Freibad diskutiert, aber immerhin schaffte die Gemeinde zwei Badewannen an, die bei Bedarf ausgeliehen werden konnten. Schon zuvor, 1836, waren im Ort etwa zehn Brunnen mit gußeisernen Trögen eingerichtet worden, die vom Luggenlohbrunnen über hölzerne Leitungen (Deichel) gespeist wurden und selbständig Wasser spendeten (A. BAHMANN: Rathaus und städtische Einrichtungen).

 

Oberkochen im 20. Jahrhundert

Als sich das 19. Jahrhundert zu Ende neigte, war aus dem Bohrermachergewerbe ein aufstrebender Industriezweig geworden, während das Hafnerhandwerk seinen Zenit bereits erreicht oder gar überschritten hatte.

Vor dem Ersten Weltkrieg bezahlten die Oberkochener ihre Steuern bei einem Steuereinnehmer. In dieser Zeit wiesen die Oberkochener Straßen noch keine Teer- oder Asphaltdecke auf, sondern kamen Schotterwegen aus zerkleinerten Kalksteinen gleich. Ein Straßenwart überwachte den Zustand der öffentlichen Wege. Zu einem guten Teil prägten die »Misthäufen« vor den Häusern das Straßenbild. Diese nach 1945 oftmals als Schandfleck empfundenen Zeugen der landwirtschaftlichen Tradition Oberkochens verschwanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Bau der Kanalisation (E. MAGER: Jugenderinnerungen an die Zeit vor dem III. Reich).

Besorgungen in Aalen konnten die Oberkochener einem täglich verkehrenden Boten in Auftrag geben. Dieser Pendeldienst hatte insbesondere für Arzneimitteleinkäufe große Bedeutung (die erste Apotheke in Oberkochen eröff-


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