Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 148 / 494

 

schaftliche Belebung, doch diese Scheinblüte ist nur von kurzer Dauer. 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg. Die totale kriegswirtschaftliche Ausrichtung der Wirtschaftspolitik begünstigt nicht gerade die weniger rüstungswichtige Oberkochener Werkzeugindustrie. Ein Wachstum haben lediglich jene Betriebe zu verzeichnen, die sich mit der Annahme von Rüstungsaufträgen auf die veränderte wirtschaftspolitische Situation einstellen. Dazu gehören die 1938 gegründete Firma »Fritz Leitz Maschinen- und Apparatebau«, die ca. 1000 Beschäftigte zählte, sowie die Firmen Wilhelm Grupp und J.A.Bäuerle. Die totale Katastrophe am Ende des Zweiten Weltkrieges ist fast unbeschreiblich: Millionen Tote, Kriegsgefangene und Heimatvertriebene, unvorstellbare Zerstörungen, Demontagen, wertloses Geld, Hunger und Not, das Land von alliierten Truppen besetzt. Und doch beginnt schon drei Jahre später mit der Währungsreform das »Wirtschaftswunder«, ein Phänomen, unvorstellbar für alle, die das Ende dieses Krieges miterlebten. Diese »zweite Gründerzeit«, die sich schon 1946 ankündigt, wäre ohne den großen Zustrom der heimatvertriebenen Arbeitskräfte und Unternehmen kaum möglich gewesen. So verdankt auch Oberkochen fast alle Firmengründungen nach dem Krieg Neubürgern.

Ein Markstein in der Geschichte der Industrialisierung Oberkochens ist schließlich die Niederlassung der Firma Carl Zeiss, die 1946 in den leerstehenden Räumen der Firma Fritz Leitz den Neuaufbau im Westen beginnt. Diese Neuansiedlung verändert die Struktur der Gemeinde tiefgreifend und ist letzlich Voraussetzung für das rapide Wachstum und die spätere Stadterhebung Oberkochens. Carl Zeiss und die nach der Währungsreform stark expandierende bodenständige Industrie haben zu Beginn der sechziger Jahre Oberkochen zur größten Wachstumsgemeinde in Württemberg werden lassen. 1968, im Jahre der Stadterhebung, ist die Bevölkerung auf 8 600 Einwohner angewachsen, die Stadt bietet 7 000 Arbeitsplätze. Damit ist der Wandel vom ländlichen Dorf zur Industriestadt endgültig und überzeugend vollzogen.

 

Firmengründungen im 20. Jahrhundert:

KWO-Werkzeuge GmbH, Wannenwetsch (1903)

Als selbständiger Handwerker beginnt auch Karl Wannenwetsch 1903 am Ortsausgang Richtung Aalen (heute Aalener Straße 44) in einer neugegründeten Werkstatt, Handbohrer herzustellen. Er hat bei Albert Leitz das »Bohrer-spitzen« gelernt und danach einige Jahre in dessen Betrieb gearbeitet. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschäftigt Karl Wannenwetsch schon sieben Mitarbeiter.

Der Neubeginn nach der Heimkehr aus dem Krieg wird ihm durch Krankheit und den fehlenden Elektromotor — er ist zu Kriegszwecken konfisziert worden — sehr erschwert. Die aufkommende Inflation und die stark gewordene Konkurrenz der eisenverarbeitenden Industrie in Remscheid und Schmalkal-


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