Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 140 / 494

 

chenberg und Ingolstadt. Um einen fünfjährigen Wissens- und Erfahrungsschatz reicher, gründet er nach seiner Rückkehr im Jahre 1876, wohl im Hause Nr. 116 in der Kirchgasse (heute Mühlstraße 32), seine erste Werkstatt. Hier fertigt er neben Handbohrern unterschiedlichster Art auch Schneidmesser und Beile an. Bereits ein Jahr nach der Werkstattgründung gehen bei Albert Leitz die ersten Aufträge aus der Schweiz ein. 1880 heiratet er die Tochter seines Lehrherrn, Heinrike Bäuerle, und erwirbt das Haus und die Werkstatt in der Kirchgasse. Im Jahre 1884 verkauft er dieses Grundstück an den Bohrermacher Michael Wirth und übersiedelt in die väterliche Werkstatt an den Ölweiher, wo er die Kraft des reichlich aus dieser Karstquelle strömenden Wassers für seinen Betrieb zu nutzen versteht. Vorausschauend beginnt er schon mit der Herstellung von Maschinenbohrern, um den Betrieb der einsetzenden Mechanisierung in der Holzbearbeitung anzupassen. Öffentliche Anerkennung findet Albert Leitz von Anfang an. Schon 1881 erhält er bei der Württembergischen Landesgewerbeausstellung in Stuttgart eine Belobung. Weitere Auszeichnungen sind in den nächsten Jahren u.a. 1898 die »Königlich Bayerische Staatsmedaille« für »vorzügliche Holzbohrer aller Art« oder 1903 die Verdienstmedaille der Handwerkskammer in Oppeln/Schlesien. Die Entwicklung des Betriebes führt steil aufwärts; um die Jahrhundertwende arbeiten in der »Württembergischen Holzbohrerfabrik A. Leitz Oberkochen« 20 Werkzeugmacher, das Programm umfaßt 50 Arten von Hand- und Maschinenbohrern. Die nächsten Jahre sind gekennzeichnet durch eine Programmausweitung auf Maschinenmesser, Messerköpfe und Spannbackenwerkzeuge, 1908 kommen Massiv-Fräser hinzu. Als Albert Leitz 1910 sein erstes patentiertes Fräswerkzeug auf den Markt bringt, ist die Umwandlung vom Handwerks- zum Industriebetrieb bereits vollzogen.

1912 legt Albert Leitz die Firma in die Hände seiner Söhne Albert jun. und Fritz. Der dritte Sohn gründet 1921 die Vertriebsfirma Emil Leitz. Die jungen Inhaber verstehen es, die Erzeugnisse ihrer Firma der fortschreitenden Mechanisierung und Industrialisierung im holzverarbeitenden Gewerbe anzupassen und das Exportgeschäft zu intensivieren. Es ist nicht zuletzt der Werkzeugfabrik Gebrüder Leitz mit ihren nun ca. 180 Mitarbeitern zu danken, daß Oberkochen neben Schmalkalden und Remscheid sich nach dem 1. Weltkrieg zu einem Zentrum der Werkzeugindustrie für die Holzbearbeitung entwickelt. Dennoch bleibt auch sie nicht vom Strudel der Weltwirtschaftskrise verschont. Die dreißiger Jahre bringen wieder eine Belebung — 1936 wird ein mehrstöckiges Fertigungsgebäude errichtet — doch sie führen auch zum Ausscheiden von Fritz Leitz aus dem gemeinsamen Betrieb, der 1938 eine eigene Firma, die »Fritz Leitz Maschinen- und Apparatebau«, gründet, in der bis zum Kriegsende mit ca. 1000 Mitarbeitern u.a. Flugzeugteile und Aggregate hergestellt werden.

Eine außerordentliche Expansion erfährt die Werkzeugfabrik Gebrüder Leitz nach dem zweiten Weltkrieg. Unter der Regie von Leonhard Stützel, dem


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]