Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 137 / 494

 

Firmengründungen im 19. Jahrhundert

J. Adolf Bäuerle GmbH (1860)
Christoph Jakob Bäuerle (geboren am 2. Januar 1834), der Begründer des Oberkochener Bohrermachergewerbes, entstammt einer Familie, die mit ihm schon in vierter Generation das Schmiedehandwerk betreibt. Sein in Lorch geborener Urgroßvater Johann Christoph B. (1735-1796) war ebenso wie sein Großvater Johann Georg B. (1769-1828) Huf- und Waffenschmied in Oberkochen, sein Vater Christof B. (1803-1865) betrieb eine Werkstatt als Zeug- und Waffenschmied. Das Gründungsjahr der Schmiedewerkstatt Bäuerle wird also wohl in das 18. Jahrhundert zu datieren sein.

1860 gründet Christoph Jakob Bäuerle nachweislich eine eigene Werkstatt. In dem Gesuch für den Einbau einer 4,4 Ruthen (36 m²) großen einstöckigen Werkstatt in die hintere Seite und den Garten des 1859 »von Caspar Junginger Waldschütz Wittwe Dorothee, geb. Widmann« erworbenen 8,7 Ruthen (71 m²) großen Wohnhauses Nr. 120 in der damaligen Kirchgasse (heute Mühlstraße 26) bezeichnet sich Jakob Bäuerle schon als »Bohrerfabrikant«.

Der junge »Bohrerspitzer« ahnt nicht, daß man in ihm später den Begründer eines Industriezweiges sehen wird, der noch in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts eminente wirtschaftliche Bedeutung für Oberkochen besitzen soll: der Werkzeug- und Holzbearbeitungsmaschinenindustrie.

Die Vermutung liegt nahe, daß Jakob nach der Rückkehr von der Wanderschaft, die ihn nach der Erinnerung seiner Nachkommen bis nach Wien führte, zunächst in der väterlichen Werkstatt im Hause Nr. 108 (heute befindet sich an dieser Stelle das Gebäude Aalener Str. 40) tätig ist und die Kunst des Bohrermachens an den Vater weitergibt, denn 1858 wird auch der Vater in Gemeinderatsprotokollen Bohrermacher genannt.

Warum dann aber Jakob Christoph Bäuerle 1863 mit seiner Familie für ein knappes Jahr noch einmal Oberkochen verläßt, »zum Zwecke seines Aufenthaltes in Stuttgart«, wie ein Gemeinderatsprotokoll und die Kirchenbücher belegen, bleibt unerfindlich. 1864 jedenfalls wird er als wohnhaft in der Stuttgarter Brunnenstraße 17, bei dem Wagner Albert Holoch, registriert. Diente ihm der Aufenthalt vielleicht zur Weiterbildung in einer der Gewerbeschulen des Landes?

In den Jahren 1879-1882 wohnt und arbeitet Jakob Chr. Bäuerle im Hause Nr. 84 in der Katzenbachgasse (heute befindet sich an dieser Stelle das Haus Katzenbachstraße 4), das er seinen Bedürfnissen entsprechend ausbaut. 1882 gelingt es Jakob Chr. Bäuerle durch Erwerb des am Katzenbach gelegenen Hauses Nr. 41 (heute Nähboutique Steckbauer, Heidenheimer Straße 4), ans Wasser zu kommen. 1883 wird ihm die Genehmigung erteilt, »ein 1,40 m hohes, 0,4 m breites oberschlächtiges hölzernes Wasserrad zum Betrieb eines Blasbalges einzusetzen und hierzu die Wasserkraft des Katzenbaches zu benutzen«. Bäuerles Betrieb erfährt nun einen schnellen Aufschwung, eine


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]