Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 133 / 494

 

Oberkochen gibt, das zum Schmelzen benötigte Holz unter Schwierigkeiten und teuer beschafft werden muß, wird schon jahrelang nicht mehr in vollem Umfang produziert. Statt der früheren 14 bis 16 Zentner durchschnittlich pro Tag wurden zuletzt nur noch sechs bis acht Zentner geschmolzen. 1644 bricht man den 21 Fuß (etwa sechs m) hohen und in der Führung 20 Fuß breiten, inzwischen verwahrlosten Hochofen samt Läuterfeuer ab. Er soll in Unterkochen wieder aufgebaut werden, das noch genügend Holzvorräte besitzt.

Nach einer wechselvollen Geschichte bei sich häufig ablösenden Besitzern —1614 wurde das Oberkochener Eisenwerk nach einem längeren Streit mit Württemberg um das ellwangische Lehen noch von der Ellwanger Propstei in Besitz genommen — ziehen nun Krieg und Holzmangel einen Schlußstrich unter das erste Kapitel der Oberkochener »Eisenindustrie«. Als 1649/50 der Wiederaufbau der Eisenwerke im Kocher- und Brenztal beginnt, entsteht — offensichtlich kurzzeitig — am Kocherursprung noch einmal eine Schlackenwäsche.

1745 macht Arnold Friedrich Prahl, Landbaumeister und Landkapitän der Fürstpropstei Ellwangen und neben diesen Tätigkeiten vielseitiger Unternehmer, erneut den Versuch, die noch vorhandenen Schlackenhalden in Oberkochen durch Gründung einer Schlackenwäsche auszubeuten; sie scheint jedoch ihren Betrieb auch bald wieder eingestellt zu haben.

 

19. Jahrhundert

Genau 300 Jahre nach Inbetriebnahme des Hochofens durch Peter Vetzer tritt in den hiesigen Gemeinderatsprotokollen ein Mann in Erscheinung, der zum Neugründer einer Oberkochener Eisenindustrie werden sollte: Jakob Christoph Bäuerle. Am 10. Februar 1852 ist vermerkt: »Christoph Jakob Bäuerle, welcher die Bohrermacherkunst sowie das Fach der Mechaniker erlernt hat, erscheint und trägt vor er seye willens auf diesem seinem erlernten Geschäfte zu wandern und habe zu diesem Zweck und zur Erlangung eines vom k. Oberamte auszustellenden Wanderbuches um ein Zeugniß nachsuchen wollen«. Weiter heißt es: »Es wird Bezeugt, daß der Bittsteller Bäuerle gut prädiziert der hiesigen Gemeinde als Bürger angehöre seiner Rückkehr hierher kein Hinderniß im Wege stehe«. Zu dieser Zeit beherbergt das Dorf Oberkochen etwa 1200 Einwohner, denen in der Aalener Oberamtsbeschreibung von 1854 Betriebsamkeit und Fleiß bescheinigt wird. Viele ernähren sich von der Landwirtschaft. Mit etwa 60 Meistern werden die in den Dörfern üblichen Handwerke, daneben aber auch schon das Hafnerhandwerk betrieben. Andere wieder arbeiten als Bergleute oder Taglöhner in den Hüttenwerken von Königsbronn und Wasseralfingen oder finden Beschäftigung als Fuhrleute, Waldarbeiter und Köhler.

Es ist eine schlechte Zeit. Die im Lande Württemberg übliche Realteilung hat zu einer stetigen Verkleinerung der landwirtschaftlichen Betriebe geführt, die


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