Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 131 / 494

 

Kurz nachdem das Kloster Königsbronn seine Eisenschmiede, wie es heißt, »aus manget berkverstendiger leut« und der daraus resultierenden schlechten wirtschaftlichen Situation an die von Herzog Ulrich favorisierten Württemberger Eisengrein und Moser verpachtet hat, gibt auch Peter v. Brogenhofen seine Schmelzhütte am Ursprung des Schwarzen Kochers auf. Moser und Eisengrein übernehmen sie vermutlich erst pachtweise und erwerben sie endgültig dann im Jahre 1564 für 1550 Gulden. Zusätzlich haben sie zehn Gulden jährlich an die Propstei und eineinhalb Gulden Zins an die Gemeinde Oberkochen zu entrichten.

Waren es die gleichen Schwierigkeiten wie beim Eisenwerk Königsbronn, die Vetzer zur Aufgabe bewogen haben? Gab es Schwierigkeiten bei der Kohlebeschaffung? Oder war der Konkurrenzdruck zu groß?

Letzterem scheinen 1557 die Ulmer Gewerkschafter gewichen zu sein, denn sie verkaufen ihre Werke und Schürfstätten an die Württemberger Gewerkschaft, der neben Herzog Christoph, dem Sohn und Nachfolger Herzog Ulrichs, die Gesellschafter Eisengrein, Moser und Daur angehören, und die nunmehr alle fünf Eisenwerke des Kocher- und Brenztales in ihren Händen vereinigt. Die Werke arbeiten mit guten Gewinn; z.B. werden im Jahre 1565/66 13 227 Gulden erwirtschaftet. Im Jahre 1565 werden in Oberkochen 32 Zentner Ofenstücke, 396 Zentner Ofenplatten, 55 Zentner Kugeln und 4 788 Zentner Masseleisen hergestellt. Königsbronn, das im Gegensatz zu Oberkochen auch Schmiedeeisen erzeugt, produziert 557 Zentner Ofenstücke, 334 Zentner Ofenplatten, 3 903 Zentner Masseleisen und 3 272 Zentner geschmiedetes Eisen. In Unterkochen werden 1667 Zentner geschmiedetes Eisen hergestellt.

Kein Wunder, daß der ebenso streitbare wie geschäftstüchtige Ellwanger Propst Christoph an die Gründung eines Konkurrenzbetriebes in Oberkochen denkt, von dem er sich einen jährlichen Gewinn von rund 1000 Gulden verspricht. Doch bevor er diese Pläne verwirklichen kann, stirbt er im Jahre 1584. Mit seinem Nachfolger kommt es dann zu Vergleichen über schwelende Streitigkeiten, bei denen es u.a. auch um die Schürfrechte am Roten Stich geht. Für das Schlackenwaschen in Oberkochen muß ein Kanal angelegt werden, »damit sich das vom Schlackenwaschen verunreinigte Wasser wieder selbst reinigen kann«. Den Gewerken wird die Holznutzung und das Abkohlen an der Tiefentaler Halde zugestanden. Als die Württembergische Gewerkschaft gegen Ende des Jahrhunderts zerbricht, erzielen allein die beiden Werke Ober- und Unterkochen (als Tausch getarnt, um das Vorkaufsrecht des Ellwanger Propstes zu umgehen) 78 350 Gulden bei ihrem Verkauf an Herzog Friedrich von Württemberg.

Mit der Übernahme der Eisenwerke durch den württembergischen Landesherrn und damit den Staat geht für die Eisenindustrie im Kocher- und Brenztal eine von vorwiegend privaten Unternehmern geprägte Zeit zu Ende.


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