Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 13 / 494

 

neren — evangelischen Teil die Herzöge von Württemberg als Besitzer des Zisterzienserklosters Königsbronn. Die Geschichte dieser beiden Gemeinden, die sich bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur als religiöse, sondern auch als politische Gemeinschaften verstanden, wird in zwei separaten Beiträgen (R. HEITELE: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Oberkochen; C. SCHRENK: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Oberkochen) behandelt. Der Autor der evangelischen Kirchengeschichte beschränkt sich dabei weitgehend auf innerkirchliche Angelegenheiten, während der Autor der katholischen Kirchengeschichte zusätzlich den größeren Bezugsrahmen herstellt und auch über die »profane Geschichte« berichtet.

Die beiden Oberkochener Gemeinden lebten jedoch nicht ohne gegenseitige Kontakte. 1562 und 1578, also neun bzw. 25 Jahre nach Einführung der Reformation im württembergischen Ortsteil, regelten die beiden Ortsherren mit Hilfe einer Dorfordnung das öffentliche und private Leben in der Doppelgemeinde am Ursprung des Schwarzen Kochers. Die Anordungen sind sehr allgemein gehalten und werden von R. HEITELE (Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Oberkochen) näher behandelt.

Eine Generation nach der Durchführung der Reformation im württembergischen Teil Oberkochens waren der Dorfordnung von 1578 noch keine religiösen Spannungen anzuspüren. Die Konfessionsgrenze verhinderte zwar weitgehend den Aufbau neuer Kontakte, sie konnte aber die existierenden verwandtschaftlichen Beziehungen nicht zerstören. 1578 waren es noch Geschwister, die durch die Konfessionsgrenze getrennt wurden. Eine Generation später handelte es sich um Vettern und bald nur noch um entfernte Verwandte. Diese Entwicklung läßt sich auch an der »Namengeschichte Oberkochener Familien bis 1900« (K. GOLD) erkennen. Mit dem Schwinden der verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Kontakte gewannen die weltanschaulich-religiösen Gegensätze an Bedeutung. Hiervon wird in den Kirchengeschichten berichtet.

Auf Dauer konnten deshalb die Dorfordnungen von 1562 und 1578 das Zusammenleben der beiden Gemeinden nicht regeln. Aus diesem Grunde erließen die Ortsherren im Jahre 1749 in Form des sogenannten Aalener Protokolls eine wesentlich ausführlichere und mehr auf die spezielle Situation in Oberkochen eingehende Gemeindeordnung. Auf dieses Dokument wird in den beiden Kirchengeschichten ausführlich eingegangen.

Als Klammer zwischen den beiden Teilgemeinden wirkte neben der teilweise von allen zusammen getragenen Sorge um die Ortsarmen (C.SCHRENK: Armenfürsorge in Oberkochen) in erster Linie die gemeinsame Nutzung des Waldes (C. SCHURR: Aus der Geschichte der Realgenossenschaft; K. SCHURR: Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz) und das gemeinsame Bürgerrecht. Die Zusammenhänge zwischen Einwohnerge-


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