Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 128 / 494

 

von Ton und Glasur benützte er einen Elektromotor und für die Drehscheibe einen Wassermotor (Peltonturbine). Die Königsbronner Hafner hatten in dieser Zeit ihre Elektromotoren zur Drehscheibe wegen schwieriger Handhabung und hoher Strompreise z.T. wieder abgestellt.

In der Tonwarenfabrik Stützel-Sachs in Aalen, in der auch ein hiesiger Hafner in Arbeit steht, wird sowohl in Freihand- als auch in Formdreherei oder Stanzen nach Schablonen in Gips oder Metall mit Stempelpressung gearbeitet. Ähnlich wird in den sächsischen und schlesischen Töpferfabriken wie in Bunzlau, Waldenburg, die Geschirr-Erzeugung betrieben, die auf diese Weise den Handbetrieben weit voraus waren und künstlerisch vollendete Waren lieferten.

Von den Brennöfen wurden in den 30er Jahren einige verbessert und einer nach neuester Konstruktion erstellt. Es wird meist nur noch alle zwei bis drei Wochen gebrannt, früher regelmäßig alle acht Tage. Der hierbei aufsteigende Qualm ist so stark, daß Fremde glauben, es sei eine Feuersbrunst entstanden. Die Hauptabnehmer des Geschirrs sind die Händler, die es öfters im Auto abholen. Andere Waren werden in Kaufläden, Glas- und Porzellangeschäften verkauft.

*) Nachtrag: Erklärung des Begriffs »Wurf«
Der Begriff »Wurf« bedarf einer Erläuterung. Diese konnte der eingangs erwähnte noch ausübende Hafner-aus-Liebe-zum-Handwerk geben (Herr Kurt Elmer):

Ein »Wurf« kann aus unterschiedlich vielen Ton-Gefäßen bestehen; es kommt auf die Größe der Gefäße an. Die größte Schüssel, die der Hafner herstellt — ein Gefäß mit einem Durchmesser von immerhin ca. 40 cm Durchmesser — hat die Nummer 1. Weiter gibt es, bei ständig kleiner werdenden Gefäßdurchmessern die Größennummern 2, 3, 5, 6, 8, 10, 12, 14, 16 und 20. Gefäßnummer 20 ist demnach ein sehr kleines Schüsselchen.

Ein »Wurf« besteht nun, und das wird häufig falsch beurteilt, aus so vielen Gefäßen, wie die Gefäßgrößennummer anzeigt. Das heißt, ein »Wurf« kann beispielsweise aus 2 Gefäßen der Größe 2 bestehen, aus 8 Gefäßen der Größe 8, oder aus 20 Gefäßen der Größe 20, — aber auch aus einem einzigen Gefäß der Größe 1.

Ein weiteres Geheimnis des »Wurfs« ist, daß er immer gleich viel gekostet hat. (Mir wurde die Summe von 6 Mark angegeben). Mit anderen Worten: 20 Gefäße der Größe 20 kosteten genau so viel wie 8 Gefäße der Größe 8, oder, wie soeben beschrieben, eine Riesenschüssel der Größe 1, — nämlich 6 Mark. Ein Irrtum wäre, die Größenzahlen des »Wurfs« mit Zentimetern zu verwechseln; die Relation ist genau umgekehrt und hat überdies mit Zentimetern gar nichts zu tun.


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