Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 127 / 494

 

entsteht Glanz, Härte und Haltbarkeit. Die Hitze im Ofen steigt über 1000 Grad. Erst nach ein bis zwei Tagen kann das Geschirr herausgenommen werden. Die glänzende Farbe der Scherben rührt hauptsächlich von den feuerbeständigen Metalloxyden her, deren Farbton beim Brennen und Schmelzen des Farbflusses hervortritt.

Nur durch jahrelange Übung und Fertigkeit kann beim Handbetrieb im Hafnergewerbe Ersprießliches geleistet werden. »Das Werk wird dann den Meister loben«. Eine Schülerin des 6. Schuljahres legte ihre Eindrücke »Beim Hafner« in folgendem hübschen Aufsätzchen nieder:

»Das schmutzigste Handwerk ist die Hafnerei. Den Ton dazu holt man in der Gegend von Ochsenberg. Kommt ein Wagen voll solcher Erde, so wird der größte Teil davon in eine Mulde gebracht und eingenetzt. Beim Abladen macht man die Schaufel naß, damit nichts anklebt. Die Erde wird zu einem dicken, zähen Teig geknetet, zu Ballen geformt und gewalzt. Dieser wird auf die Drehscheibe gebracht. Es macht mir Spaß, wie der Hafner in seinen Bollenhosen die Batzen hinwirft. Dann formt er kunstvoll mit der Hand allerlei Sachen, die nachher im Freien getrocknet werden. Sind alle trocken, werden sie mit Glasuren bemalt und dann nochmals getrocknet. Bald darauf kommt alles in den Brennofen, und so werden sie ungefähr einen Tag der größten Hitze ausgesetzt. Kommen die Sachen heraus, so spricht man von Tongeschirr. Im Winter ist es in der Hafnerei schön warm. Da kommt mancher alte Mann und manche alte Frau, um allerlei zu klatschen.«

Die aus dem weißen und roten Ton hier hergestellten feuerfesten Töpferwaren wandern unter dem Namen »Heidenheimer Kochgeschirr« in alle Welt. Die Bezeichnung »Heidenheimer Kochgeschirr« kommt daher, daß die Tongruben im Oberamt Heidenheim lagen und in Heidenheim und dem benachbarten Schnaitheim zuerst die Hafnerei in größerem Umfang betrieben wurde. In ganz Süddeutschland, in die Schweiz und nach Italien werden die Geschirre verkauft. Ins Oberland kommen viele Bratpfannen und Ganskahr (eirunde Platten für Gänsebraten). Vor dem Bau der Kocher- und Brenztaleisenbahn 1862/64 wurde das Geschirr hauptsächlich durch Händler aus Matzenbach und Deufstetten hier abgeholt und in den Handel gebracht. Auch um 1880 fuhren noch einige Blahenwagen, die mit Pferden bespannt waren, oder auch bloße »Schnappkarren« mit Oberkochener Töpfererzeugnissen durch das Land. Nach dem Bahnbau wurde das Geschirr in den Lattenkisten, Harassen genannt, sorgsam in Stroh verpackt, auf den niederen Harassenkarren zur Bahn gebracht und nach allen Richtungen oft in ganzen Wagenladungen versandt. Ein »Haraß« umfaßt durchschnittlich 20 Wurf (siehe Anmerkung am Schluß) Geschirr.

Nur ein Oberkochener Hafner hatte bis 1928 einen Kraftbetrieb eingerichtet und damit den neuen Bestrebungen Eingang verschafft. Für die Bearbeitung


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