Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 126 / 494

 

lung eines feinen Geschirrs gegeben. Dann wird die Masse zur letzten Vervollkommnung über den Tonmalasseur (Tonschneider) geführt. Der Hafner macht daraus große und kleine Ballen, »Kleäß« genannt, und legt sie auf die Bank oder auf ein Brett. Nun ist der Ton zum Formen bereit.

In seinen schmierigen Hosen, den sog. »Bollenhosen«, sitzt der Töpfer vor der Drehscheibe und wirft einen »Kleäß« auf die Platte. Dann versetzt er diese mit den bloßen Füßen in immer schnellere Bewegung. Mit den Fingern bei dauernder Benetzung aus einem Wasserhafer drückt und formt er an dem Klumpen. Mit Staunen sieht man, wie dieser sich rundet und in die Höhe wächst. Bald erscheint deutlich die Öffnung und die Form des Hafens, zuletzt der Rand mit einem Kränzchen geziert und geritzt. Zum Abschneiden von der Scheibe wird ein Draht und zum Glätten innerhalb des Gefäßes ein Stück Filz benützt. Kaum hat man die kunstvolle Arbeit der Hand betrachtet, so sitzt ein neuer Batzen auf der Scheibe. Es ist eine Freude, dem emsigen Manne zuzusehen. Den in allen Größen, in schlanken und breiten Formen auf den Brettern stehenden »Häfen« werden die Schnäuzchen eingedrückt. Ein Teil erhält noch Henkel, die wie Würstchen geformt werden. Öfters wird hierzu eine Spritze benützt. Danach werden sie zum Trocknen an die Wärme gebracht; im Sommer ins Freie, im Winter an den Ofen. Auf den Gestellen und Brettern rings um den Ofen steht alles voll mit Tongeschirr.

Eine weitere Arbeit ist das Glasieren. Die Formen sind zunächst noch grau, glanzlos und durchlässig oder porös. Nun erhalten sie Glätte, Farbe und Verdichtung. Das Stückerz muß zuerst mit dem Mörser der Glasurmühle zu feinem Pulver zerstoßen und mit Tonsand und Wasser zu einem dünnen Brei vermischt werden. Von Natur aus ist die Glasur weiß; erst die Beimischungen erzeugen die gewünschten Farben. Braunstein und Eisenoxyd ergeben braune und rote Farbe, gewöhnliches Eisenerz und Antimonoxyd die gelbe, sowie Kupferoxyd und Chrom die grüne Farbe. Da Kobaltoxyd zu teuer ist, wird blaues Geschirr gar nicht oder ganz selten hergestellt. Mit den Formen in der einen Hand und dem Schöpflöffel in der anderen begießt der Hafner zuerst das Innere, schwenkt tüchtig herum, und dann wird die Außenseite glasiert. Oft werden die Geschirre auch in den Brei eingetaucht. Die Schüsseln müssen zuerst hell grundiert werden. Ist dann die »Bschütte« trocken, so kommt der zweite Aufguß. Die Tupfen werden mit einem Besen hineingespritzt. Die bläulich und dunkel aussehenden Formen werden jetzt im großen Brennofen gebrannt. Für einen Brand rechnet man je nach Beschaffenheit des Ofens und des Brennmaterials mit zwei bis drei Raummetern Holz. Das Weißglühen braucht mindestens 20 bis 24 Stunden, das Rotglühen 12 bis 15 Stunden. Damit die Hitze nicht hinauszieht, wird der Kamin halb geschlossen, besonders im Winter. Ein Ofen faßt je nach Größe 120 bis 180 »Würfe«* (Siehe Anmerkung am Schluß). Diese sorgfältig einzulegen und aufzubauen ist auch eine Kunst des Hafners. Durch das Brennen wird die Glasur geläutert und es


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