Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 124 / 494

 

Jahrhunderts gegraben wurde), ebenso auf den Seewiesen bei Königsbronn. Letztere Gruben sind weniger ergiebig. Auf dem unteren Zahnberg wird nur noch Ziegelerde, die ziemlich viel Sand enthält, für feuerfeste Steine (Chamotten) gegraben, durch die Dampfziegelei Ludwig, Königsbronn. Der Zahnberg birgt Massen von Töpfererde, die für lange Zeiten ausreichen würden. Es fehlen aber die Geldmittel, um richtige Schächte zur Einfahrt zu graben und sie ans Tageslicht zu fördern.

Aus den bei der Turnhalle, im Zieglergarten und im Birkach gelegenen Lehmgruben bezog einst die bei der Leitzschen Fabrik befindliche Ziegelhütte ihren Lehm. Ein Wagen voll Töpferton (etwa 30 Zentner) kostet 15 Mark, dazu kommt noch der Fuhrlohn von elf Mark.

In den Lehmgruben befindet sich oben meist zuerst rote Erde, Letten oder Bühl genannt. Dann erst kommt die mit Eisen, Kalk und Kieselsäure gemischte blaue, gelbliche oder weiße Erde, der eigentliche Töpferton, das Rohmaterial der Hafner.

Die Glasur bekamen die Hafner zunächst als Bleierz in ganzen Stücken, später meist gestoßen und gemahlen und mit geringerem Bleigehalt. Der Doppelzentner Bleierz kommt auf 74 bis 78 Mark. Die alten Hafner hatten ihr Stückerz aus Spanien bezogen. Dann lieferten die Rheinlande den größten Teil hiervon. Allerdings ließen die Besatzungsmächte im Rheinland nach dem Ersten Weltkrieg den Versand des Stückerzes lange Zeit kaum mehr zu.

Mit guter Glasur tun sich die Hafner leichter. Mit schlechterem Material ist die Herstellung guten Geschirrs viel schwieriger; auch muß es mit mehr Hitzegraden gebrannt werden. Statt Bleierz wird auch das rote, pulverartige Blei-Menning verwendet, das meist in Schlesien auf chemischem Weg hergestellt wird. Dieses gibt wohl schöneren Glanz und lebhaftere Farbe, verträgt sich aber mit dem Ton nicht so gut wie das Erz, und es ist ziemlich teuer. Es hat aber den Vorteil giftfrei zu sein.

 

Arbeit der Hafner

Die Hafnerei ist ein schwer zu erlernendes und schmutziges, aber auch interessantes Handwerk. Es erinnert lebhaft an die gute, alte Zeit. Fremde, welche nach Oberkochen kommen und erstmals in eine Hafnerwerkstatt treten, schauen staunend auf die Arbeit des Meisters. Wie geht nun diese in einfachen Verhältnissen vor sich? Schon vor der Hafnerei bemerkt man Holzbeigen und eine Mulde mit Lehm und Ton. Mit diesem Material beginnen die Vorarbeiten: Erdschneiden, Walzen und Kneten. Der Ton wird mit der Schaufel durcheinandergeschafft und dann auf einem Holzklotz, dem »Hackstotzen« geschnitten. Der Ton wird zuerst mit der Tonwalze bearbeitet, Steine, Hartteile und sonstiges Beiwerk zerdrückt und das Ganze gut »verschafft«. Durch das Kneten wird der Ton weich und fein. So ist die Grundbedingung für Erzie-


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