Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 122 / 494

 

öffentliche Belobung erteilt. Wohl wurden später Versuche zur Anfertigung von Tafelgeschirr, Figuren und künstlerischen Vasen gemacht. Der Ton aber erwies sich für feinere Waren als untauglich, und er konnte trotz schönster Glasur und aller Farben dem Porzellan nicht standhalten. Er war eben nur für Kochgeschirr verwendbar.

Schon in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts war im Hafnergewerbe vorübergehend eine Krise eingetreten. Diese behob sich wieder, als damals von ärztlicher Seite darauf hingewiesen wurde, daß verdorbenes Emaillegeschirr gesundheitsschädlich wirke und der abgesprungene Glasschmelz Blinddarmentzündung hervorrufe. Bei Operationen seien in dem kranken Wurmfortsatz als häufigste Entzündungsursache kleine, von Kochtöpfen abgesprungene Emaillesplitter festgestellt worden. Diese Ansicht war damals sehr verbreitet.

Bis zum Ersten Weltkrieg hatten die Hafner meist genügend Aufträge und Arbeit. Trotzdem gaben viele ihr Handwerk auf und ergriffen einträglichere Tätigkeiten. Während des Ersten Weltkrieges erlebte das Hafnergewerbe eine letzte Blüte. Die Hafner konnten in diesen Jahren die Nachfrage nach Geschirr kaum befriedigen, sie wurden gut bezahlt und kamen wirtschaftlich sogar nochmals empor. Die Ursachen des darauffolgenden neuerlichen Rückgangs lagen in den schlechten Zeit- und Geldverhältnissen. Die Nachfrage und der Absatz von Tongeschirren wurden immer schwächer. Die noch ausstehenden Guthaben der Hafner gingen sehr langsam oder gar nicht ein, und im Einkauf des Töpfergeschirrs hielten sich die Zeitgenossen immer mehr zurück. Die Glasur und das Holz waren im Verhältnis zum Verdienst sehr teuer und die Arbeitskräfte kaum zu bezahlen. Der Hauptgewinn an den Töpferwaren fiel den Händlern zu, obwohl diese außer der Fracht und bei größeren Töpfen außer dem Blech- und Drahtbelag keine besonderen Auslagen hatten. In den Haushaltungen waren die Email-, Eisen- und Aluminiumgeschirre, Metallkasserollen, Steingut- und Porzellangefäße immer mehr in Gebrauch gekommen und hatten irdenes Geschirr zurückgedrängt. Dieses konnte mit dem in den Fabriken als Massenartikel hergestellten Auftrags- und Tafelgeschirr nicht mehr konkurrieren. Das Kochen auf Gasherden und in Metalltöpfen hat nach dem Ersten Weltkrieg in den Städten den Vorzug erhalten, um Zeit und Holz zu sparen und die Wohnungen sauber zu halten. Doch ist erwiesen, daß die Speisen in irdenen Geschirren einen feineren Geschmack haben, besser gar gekocht werden und ihre Nährkraft mehr ausgewertet wird. Von vielen Feinschmeckern ist bekannt, daß sie zum Kochen nur irdene Kasserollen benützen lassen.

Die um 1870 gegründete Oberkochener Hafnergenossenschaft umfaßte auch die Fachgenossen von Königsbronn, Heidenheim und Mergelstetten. 1900 zählte sie insgesamt 30 Mitglieder, davon 21 aus Oberkochen. Im Jahre 1910 war die Zahl der ortsansässigen Hafner auf 17 zurückgegangen:


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]