Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 121 / 494

 

in zehn Metern Tiefe verschüttet. Der Schacht sollte abgebaut und das Grubenholz herausgeschafft werden. Er war an einem Seil hinabgelassen worden und wollte eben die Baustangen herausnehmen, als die Wände zusammenstürtzten. Erst nach acht Stunden konnte er in völlig erschöpftem Zustand, mit dem Todesschweiß auf der Stirn, aus seiner schrecklichen Lage befreit werden. Er wurde mit einem Fuhrwerk in den Ort gebracht und erholte sich bald wieder. Raiser hatte (nacheinander) drei Frauen und 42 Kinder, darunter nur einen Sohn, der nach Amerika auswanderte. Die alten Tongruben befinden sich rechts vom Wege nach dem Zahnberghof und sind jetzt unbenützt. Die Mulde, ungefähr einen Morgen groß, ist noch deutlich zu erkennen.

Um das Hafnergewerbe in Oberkochen zu heben und feineres und verziertes Geschirr zu erzielen, wurden in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts von mehreren Seiten fördernde Schritte unternommen. Ministerialrat Steinbeis, Vorstand der Zentralstelle für Gewerbe und Handel, und die damaligen Zeichenlehrer Kolb in Stuttgart und Mager (Vater von Alfons Mager, dem Verfasser) in Gmünd gaben die Anregung, in Oberkochen eine Zeichenschule zu gründen. Durch diese sollten in erster Linie die Hafnerlehrlinge eine bessere Ausbildung erhalten. Mit Unterstützung von Schultheiß Wingert und des evangelischen Pfarrers Lechler, die sich der Sache kräftig annahmen, wurde hier alsbald eine Zeichenschule errichtet. Sie bestand ab 1879, wurde von Lehrer Gutmann geleitet und von über 50 Schülern, darunter 15 Hafnerlehrlinge, besucht. Bei der Landes-Gewerbeausstellung 1881 in Stuttgart wurde der Schule und ihrem Leiter für die ausgelegten Zeichnungen und Geschirre eine


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