Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 120 / 494

 

Alfons Mager (um 1939)

Hafner

Vorbemerkung:
Der nachfolgende Artikel wurde um 1939 von Oberlehrer Alfons Mager verfaßt. Damals war das Hafnerwesen noch fest im Bewußtsein aller Oberkochener verankert, obwohl nur noch zwei Meister ihr kreatives Handwerk ausübten. Auch in den 60er Jahren war die Tradition des altehrwürdigen Hafnerhandwerks in Oberkochen noch nicht abgerissen.

Heute im Jahr 1993, — also fast ein halbes Jahrhundert, nachdem dieser Beitrag von A. Mager geschrieben wurde, übt noch ein Nachfahre dieser großen Zunft das Hafnerhandwerk als nebenberufliches Hobby und vor allem aus Freude am Gestalten aus. Es wäre schön für unsere Stadt, wenn das so bliebe.

 

Geschichte der Hafnerei

Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts ist das Hafnergewerbe in Oberkochen bekannt. Es konnte gedeihen, weil in der Umgebung Tonerde gewonnen wurde.

In Württemberg wurde die Töpferei wohl am ausgedehntesten auch in Neuenhaus (auch »Häfner-Neuhausen« genannt) im Oberamt Nürtingen betrieben, in kleinerem Maßstab in Alfdorf, Münsingen und Schelklingen.

Anfänglich war das Hafnergewerbe hauptsächlich in den Familien Fischer (Herrgottshäfner) und Hug (unterer Hug) zu Hause. Später ging sie auf die Familien Johannes Hug, August Hug, August Fischer, Anton Fischer, Johannes Gold, Konrad Sapper im Katzenbach, Josef Schaupp, Anton Gold (Goldenbauer), Johannes Wingert, Johannes Müller, Johannes Beißwanger, Josef Minder und Karl Feil an der Hauptstraße, Michael Fischer, Franz Gold, Anton Gold in der Jägergasse und Johannes Elmer beim Friedhof über. In Königsbronn waren in diesem Gewerbe die Namen Eberle, König und Schuhmacher vertreten. Ein Original in seinem Berufe war der in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts lebende Hafnermeister Bosenhard in Königsbronn. Um das Jahr 1840 sollen in Oberkochen 30 Hafner tätig gewesen sein. Ihre Tonerde bezogen sie bis etwa 1860 zu einem guten Teil aus den Zahnberger Gruben. Dort wurden im Jahre 1844 bei Staatsgrabungen drei Bergleute aus Oberkochen und Ochsenberg verschüttet. Die Leichen konnten nicht geborgen werden, weil immer neue Erde nachrutschte. Das tragische Geschehen hatte für die Unbeteiligten jedoch auch eine heitere Seite. Es ist der Schmerzensausbruch der Mutter einer der verunglückten Männer überliefert. Diese soll bei der Meldung der Trauernachricht ausgerufen haben: »Wenn mei Soh no seine neue Stiefel und sei Uhr net aghet hätt, wärs net so arg!«

Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde der tüchtige Erdgräber und Hafnereiarbeiter Raiser von Oberkochen in einem Schacht auf dem Zahnberg


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