Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 12 / 494

 

Königsbronn. Dieses Kloster war 1303 von König Albrecht I. gestiftet worden. Nach zögerlichen Anfängen bauten die Mönche ihre Machtbasis durch Gütererwerb Zug um Zug aus. 1465 erhielten sie von Kaiser Karl IV. Recht und Privileg, am Kocherursprung nach Eisenerzen zu graben und diese zu verhütten (M. u. J. KÄMMERER: Vom Dorf zur Industriegemeinde).

 

Das herrschaftlich geteilte Dorf

Schon ein Jahrhundert vorher zählte etwa ein Drittel Oberkochens zum Eigentum des Klosters Königsbronn. Die beiden anderen Drittel gehörten dem Kloster Ellwangen. Oberkochen war also vom Anbeginn seiner eigenständigen Existenz ein herrschaftlich geteiltes Dorf. Beide Ortsherren — im Falle Oberkochens zwei geistliche Institutionen — besaßen Leibeigene in ihrem jeweiligen Ortsgebiet. Die niedere Gerichtsbarkeit, die sich mit der Bestrafung von kleineren Vergehen befaßte, übte der jeweilige Ortsherr in seinem Teil aus. Die hohe Gerichtsbarkeit, die sich mit Verbrechen auseinandersetzte, stand über den ganzen Ort dem Kloster Ellwangen zu. Gleiches galt für das Zehnt- und das Patronatsrecht. Der Zehnt war eine zehnprozentige Abgabe vom Jahresertrag der Landwirtschaft. Das Patronatsrecht enthielt die Pflicht, die kirchlichen Bau- und Personalkosten zu tragen und das Recht, den Gemeindepfarrer einzusetzen. Als Inhaber dieser und anderer Rechtstitel waren der Abt bzw. Propst von Ellwangen und der Abt von Königsbronn Herr über alle geistlichen und weltlichen Angelegenheiten in Oberkochen. Trotz der beschriebenen Herrschafts- und Gerichtsgrenze fühlten sich die Bewohner der beiden Ortsteile zusammengehörig. Alle Oberkochener besuchten dieselbe Kirche, die im ellwangischen Ortsteil lag. Außerdem ist anzunehmen, daß vielfältige freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Ortsteilen bestanden.

 

Zeitalter der Glaubensspaltung

Jedoch mit der Einführung der evangelischen Konfession im königsbronnischen Ortsteil (1553: C.SCHRENK: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Oberkochen) zerfiel Oberkochen für 250 Jahre in zwei Gemeinden, die zwar räumlich sehr eng beisammenlagen, die aber durch eine Landesgrenze, eine Zollgrenze und insbesondere eine Konfessionsgrenze scharf voneinander getrennt waren. Die Grenzsteine in den Wäldern um Oberkochen erinnern noch heute daran (K. SCHURR: Grenzsteine — Zeugen der Vergangenheit). Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts vollzog sich deshalb die Geschichte Oberkochens für ein viertel Jahrtausend in zwei Gemeinden. Im größeren — katholischen — Teil regierten die Pröpste von Ellwangen, im klei-


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