Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 116 / 494

 

Allerdings war keine genaue Lokalisierung der Kohlplatten möglich. Jedenfalls wurde immerhin klar, daß der entscheidende Schlag zur Aufgabe der Köhlereien die Errichtung der Eisenbahnlinie in der Kocher-Brenz-Achse um 1865 war. Ab da konnte bessere Kohle per Bahn beigebracht werden. Somit war schon vorher erkennbar, daß unsere zu entdeckenden Objekte teilweise mit über 100 Jahre alten Bäumen bestanden und deshalb schwer auffindbar sein würden. Hier halfen Hinweise und die phantastischen Geländekenntnisse von Realgenossenschaftsmitglied Anton Balle und FDir Schurr weiter, die den Schülern in mehreren Etappen Angaben zur Position von ihnen bekannten Kohlplatten machten, so daß wir bereits zu Beginn der Projekttage eine Karte mit vielen Kreuzchen vorliegen hatten.

Für unser Unternehmen waren zwei volle Tage angesetzt. Wir beschlossen, am ersten Tag die Härtsfeldseite zu durchkämmen. FDir Schurr gab uns persönlich wertvolle Einstiegshilfen. Mit Sicherheit hätten wir ohne ihn unsere erste Kohlplatte am Fuß des Wollenbergs nur unter größten Schwierigkeiten gefunden, da sie total eingewachsen ist. Anders verhielt es sich mit den Kohlplatten im Auffüllgebiet »Wanne«. Sie lassen sich trotz 100jährigem Buchenbewuchs deutlich im Gelände ablesen, wenn man weiß, wie man schauen muß. Hier sind die Kohlplatten in hängigem Gelände stufig eingeschnitten, bergseits ausgehoben und talseits angeböscht. In der »Wanne« sind 3 Kohlplatten stufig übereinander angelegt. Eine vierte ist unter Umständen durch Wegbau zerstört. Da dieses große zusammenhängende Kohlplattensystem noch in diesem Jahr zugeschüttet werden sollte (eigentlich schade darum), haben wir es vermessen und aufgezeichnet. Abbildung: Zeichnung »Rekonstruktionszeichnung der Zentral-Köhlerei »Wanne«.

Herr Schurr erklärte uns hier den Unterschied zwischen den älteren, meist nur aus einer Platte bestehenden Köhlereien, die als »fliegende« Kohlplatten dem Holzeinschlag nach errichtet wurden, und den jüngeren, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Zentralköhlereien, zu denen das Holz vom weiteren Umkreis hergeführt wurde. Für den Transport wurden vorwiegend Esel verwendet (»Eselwege«, z.B. über das Stefansweiler Feld zum Zwerenberg).

Bei allen Kohlplatten, die wir im Lauf der beiden Tage aufsuchten oder entdeckten (27 an der Zahl, davon 20 auf Oberkochener Gemarkung — Abbildung Karte), führten wir oberflächige Bodenschürfungen durch und stießen fast überall ziemlich schnell und in geringer Tiefe auf schwarze Erde und Holzkohlereste. Dies war für uns der Beweis, daß wir auch wirklich eine Kohlplatte gefunden hatten. Die Holzkohleproben wurden fein säuberlich abgepackt und mit unserer Arbeitsnummer der betr. Kohlplatte versehen. Über die Sommerferien ließen wir die Kohleproben austrocknen. Später sollen sie nach Möglichkeit von einem Fachmann auf Holzart und Alter bestimmt werden. Daß vorwiegend Harthölzer wie Eiche und Buche zur Verkohlung verwendet wur-


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