Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 115 / 494

 

Dietrich Bantel

Neue Erkenntnisse zum Köhlereiwesen auf Oberkochener Gemarkung

Wer schon einmal die Köhlereien bei Rotensohl (Großkuchen) besucht hat, wird bestätigen, daß man sich angesichts der rauchenden Meiler im tiefen Wald um Jahrhunderte zurückversetzt fühlt — bald wird dieses Idyll durch die unweit des modernen Märchens vorbeiführende Autobahn etwas getrübt sein. Der Geschichte dieses »Märchens« versuchte eine Schülergruppe anläßlich der Projekttage 1983, die kurz vor den Sommerferien am Gymnasium Oberkochen durchgeführt wurden, nachzugehen.

Im Jahr 1962, kurz nachdem ich nach Oberkochen gekommen war, hatte ich die Kohlplatten hinter dem Spitzigen Fels auf dem Weg nach Ebnat besucht. (Der Betrieb auf dieser sogen. Heiterschen Kohlplatte wurde wenig später eingestellt und die beiden Blockhütten für die Köhler, die wie kleine Hexenhäuschen im Wald standen, leider abgerissen.) Zwei Jahre später besuchte ich die Kohlplatten bei Rotensohl, die als einzige Köhlereien in Südwürttemberg (angeblich soll es nur noch vier oder fünf Köhlereien in ganz Deutschland geben) seit 170 Jahren bis auf den heutigen Tag betrieben werden. Dann stieß ich auf Berichte über das Oberkochener Hafnergewerbe und später auf die heute noch sichtbaren Spuren einer um 1650 abgebrochenen Hochofenanlage bei der Kocherquelle.

Dies alles brachte mich auf den Gedanken, daß aus der Zeit der Holzkohleproduktion um Oberkochen mit Sicherheit noch zahlreiche alte, teils uralte Kohlplatten auffindbar sein müßten, was aber im Alleingang fast undurchführbar schien. So schlug ich im Rahmen der Projekttage 1983 ein heimatkundliches Projekt (Aufspüren von Kohlplatten auf Oberkochener Gemarkung) vor. Im Programmbeschrieb, den ich im Februar vorgelegt hatte, roch es nach »lauf«, »schwitz« und Arbeit, so daß sich nur fünf Schüler, allerdings sehr zuverlässige, in die Teilnehmerliste für dieses Projekt eintrugen. Dies waren Markus Weiß, Andrea Winter, Axel Kämmerer, Barbara Leitz und Ulrich Feil.

Die Vorbereitungen liefen schon vor den eigentlichen Projekttagen an. Die Schüler holten Informationen bei FDir Schurr vom Staatl. Forstamt ein, wälzten dort alte Akten und Flurkarten, wobei sie herausfanden, daß eine ganze Reihe von Walddistriktbezeichnungen auf Oberkochener Gemarkung und dicht dabei auf Köhlereien hinwiesen, wie z.B. Kohlhau, Fuchskohlplatte, Brandplatte, Brennhölzle, Kohlhaubilz, Schwarzweiler Weg, Kohlteich, Singenkohlplatt. Ihnen wurden auch Abrechnungen über Holzkohleverkauf vorgelegt, die mit altehrwürdigem Staub versehen, fast eineinhalb Jahrhunderte ungeöffnet aufbewahrt worden waren. Aus diesen ging hervor, wann in welchem Bezirk gebrannt wurde.


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