Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 114 / 494

 

mit einer zugleich feuerfesten und regenundurchlässigen Decke versehen. Man unterscheidet zwischen dem Rauhdach, das sich aus Gras, Laub, Moos, Farn und Zweigen zusammensetzt, und dem Erddach aus Erde und Kohlenklein. Die Errichtung eines solchen Meilers nimmt im allgemeinen zwei bis drei Tage in Anspruch; es werden 25 bis 28 Raummeter Holz benötigt, dessen Verkohlung nach vier bis fünf Tagen abgeschlossen ist. Eine kleinere Köhlerei bringt es auf zehn bis zwölf Meiler pro Saison.

Jeder Meiler wird an der Spitze angezündet und brennt von dort aus kegelförmig zum Boden und nach außen hin ab. Es tritt zunächst weißer, dann gelblicher, stechender, wieder weißer und schließlich blauer, kohlenoxydhaltiger Rauch aus, der, so er am Boden austritt, das Ende der Verkohlung anzeigt. Dann wird der Meiler mit Störhaken auseinandergezogen und womöglich mit Wasser besprengt, damit die Holzkohle abkühlen kann.

Da zur Verbrennung des Holzes ausschließlich der Luftsauerstoff genutzt wird, ist es verständlich, daß Witterungsfaktoren für die Ausbeute eine bedeutende Rolle spielen. So ist heißes Wetter wie Regen der Verkohlung förderlich, zu starke Belüftung des Meilers aber mindert, wie schon erwähnt, den Ertrag und zwingt den Köhler dazu, vorsorglich das Dach des Meilers gut festzutreten. Um einer Erhitzung des Meilers auf mehr als 300 bis 400 Grad oder gar einem Brand vorzubeugen, muß alle drei Stunden, auch nachts, Holz nachgefüllt (»Wenn mer gut' Nacht secht, isch nix drin.«) und bei Bedarf die Luftzufuhr über Luftlöcher oder eine Verstärkung des Erdmantels reguliert werden. Daß dem Köhler Sachkenntnis und Geschick im Umgang mit dem Meiler abverlangt werden, beweist die Tatsache, daß selbst bei bestem Wetter und gutem Zustand des Meilers die Wahl der falschen Holz- und Verkohlungsart und Fehleinschätzungen der Verkohlungsdauer die Ausbeute schon empfindlich geschmälert haben.

Als Endprodukt des Verkohlungsprozesses, sehen wir von entstandenen Gasen und Dämpfen mit Methan-, Fettsäuren- und Teergehalt einmal ab, besitzt Holzkohle die doppelte Brennkraft von Holz. Abnehmer dieses Brennstoffs sind Hüttenwerke, Gießereien und nicht zuletzt die zahlreichen Freunde des Barbecue. Um neben der fabrikmäßigen Produktion von Holzkohle und der Konkurrenz aus dem südeuropäischen Ausland überhaupt bestehen zu können, müssen die hiesigen Köhler den Sack Kohle weit unter dem Wert der zu ihrer Herstellung verrichteten Arbeit verkaufen, was die Rentabilität von Kohlplatten stark mindert und die Betreiber langfristig zu ihrer Aufgabe zwingen dürfte.


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