Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 113 / 494

 

Ulrich Feil

Historische Köhlereien auf Oberkochener Gemarkung

Geschichte der Köhlerei in Oberkochen

Die Wälder Oberkochens waren in Kloster- und Ellwangerwald eingeteilt. Die Köhler wurden als »Accordanten« bezeichnet, d.h. sie stellten die Holzkohle im Einvernehmen mit den Waldbesitzern und in deren Auftrag her als deren Angestellte. Die Köhler mußten dafür die Holzkohle an die Waldbesitzer zurückgeben, welche sie entlohnten. Anhand des verbrauchten Holzes (meist Hartholz) konnte man mehr oder minder die Menge der zu erwartenden Kohle ermessen. Die Kohle wurde auf Eselswegen, eine andere Transportmöglichkeit war nicht möglich, ins Tal geschafft und gelangte von dort zu den Hüttenwerken in Königsbronn und Wasseralfingen, später zum Hochofen in Oberkochen selbst. Fliegende Köhlereien gab es bis 1790, danach wurde auf festen Kohlplatten gebrannt. Von 1770-1790 war eine Blütezeit der Köhlerei, da es in unserer Gegend reichlich Eisenerzvorkommen gab, jedoch keine andere Möglichkeit der Verhüttung außer mit Holzkohle bestand. Während dieser Blütezeit wurden alle großen Bäume gefällt, so daß nach einigen Jahren kein passendes Holz zum Verkohlen mehr da war. Die Folge davon war Mangel an Brennmaterial für Haus- und Industriebedarf. Dies führte zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft in Oberkochen. Um 1806 wurden die Wälder Oberkochens wieder aufgeforstet, es gibt Waldaufnahmen von 1812. Bis 1820 gab es in den Wäldern noch Waldviehweiden. Von 1825 - 1830 war eine erneute Blüte der Köhlerei; es wurden feste Kohlplatten angelegt, zu denen das Holz hintransportiert werden mußte. Um 1865 ging der Holzkohleverbrauch schlagartig zurück, da sehr viel Kohle mit der Eisenbahn herangebracht wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Köhlereien als Rüstungsbetriebe gekennzeichnet und hatten eine kurze Blütezeit. Die letzten Köhlereien Oberkochens brachen um 1960 zusammen.

 

Axel Kämmerer

Die Arbeit des Köhlers

Kohlplatten finden sich grundsätzlich im Wald, zum einen wegen des kurzen Transportweges für das benötigte Eichen- und Buchenholz, zum anderen, weil Bäume einen ausgezeichneten Windfang darstellen, denn Wind bewirkt eine ungleichmäßige Verbrennung des Holzes und schmälert so die Erträge.

Vor der Errichtung des Meilers wird eine kreisrunde, ebene, Schlaue genannte Vertiefung ausgehoben, die in der Mitte 20 cm erhöht ist, damit das Wasser ungehindert abfließen kann. Nunmehr werden senkrecht auf der Mitte ein Meter lange Holzprügel und -scheite in zwei Etagen aufgerichtet und


zurück
 
Inhalts-
verzeichnis

weiter

[Home]