Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 112 / 494

 

herzustellen, denn vor dem Mahlen steht das »Dinkelgerben«. Die Kronen des gedroschenen Dinkelkorns sind von Spelzen umschlossen. Deren Beseitigung bezeichnet der Fachmann als »Gerben«. Außerdem wird der Dinkel noch »geputzt«. Das Gerben geschieht maschinell, mußte im letzten Jahrhundert aber noch von Hand vorgenommen werden. Im Prinzip wird dabei der Dinkel so lange hin und her gerüttelt, bis Spelzen und Staub abgefallen und entfernt sind. In der Unteren Mühle ist heute noch eine Gerbmaschine aus dem Jahre 1907 in Betrieb. Nach dem ersten Durchgang durch diese Maschine gelangt der Dinkel in einen sechskantigen Staubzylinder, in welchem er vom groben Staub befreit wird. Danach läuft er wieder in die Gerbmaschine zurück. Dort werden die noch verbliebenen Spelzreste entfernt. Der Dinkel passiert anschließend weitere Maschinen, bis er vollständig gereinigt ist.

Nach dem Gerben folgt das Mahlen des Dinkels. Nach einem ersten Mahlvorgang läuft der Dinkel über den sogenannten »Plansichter«. Dort wird »das herausgesiebt, was noch kein Mehl ist« und läuft in die Walzenstühle zurück. Dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis alles gemahlen ist.

Als der Dinkel in unserer Gegend noch die wichtigste Getreideart war, gab es viele Dinkelrezepte. Natürlich wurde das Brot aus Dinkel gebacken. Dieses Getreide diente aber auch als Grundlage verschiedener anderer Speisen. Erinnert sei nur an die diversen Dinkelsuppen und an den »Häbernenbrei«. Dieser Brei besteht aus Dinkelschrot, der mit Milch gekocht wird. Der »Häbernenbrei« ist dem Grießbrei ähnlich und war als kräftiges Frühstück beliebt. Die Hausfrauen rundeten seinen Geschmack gerne mit etwas Zucker bzw. Honig und Zimt ab.

 

Literaturhinweise

Schrenk, Christhard: Alt-Oberkochen. Erzählungen und Berichte aus Oberkochens Vergangenheit. Oberkochen 1984, S. 52-57.
Schrenk, Christhard: Die Untere Mühle zu Oberkochen, In Ostalb/Einhorn 46 (Juni 1985), S. 140-152.
Beschreibung des Oberamtes Aalen. Stuttgart 1854.

 

Quellenhinweis

Mühlenbuch von 1751. Aufbewahrungsort: Untere Mühle Oberkochen.


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