Heimatbuch „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“ Seite 108 / 494

 

Christhard Schrenk, Ulrich Feil, Axel Kämmerer, Dietrich Bantel, Alfons Mager

Altes Handwerk

Christhard Schrenk

Das Mühlwesen in Oberkochen

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts waren in Oberkochen vier Mühlen in Betrieb: die »Öl- und Schleifmühle«, die »Obere Mühle«, die »Untere Mühle« und die »Kreuzmühle«.

Die Öl- und Schleifmühle lag am Abfluß des Ölweihers an der heutigen Leitzstraße. Die erste Erwähnung einer Schleifmühle findet sich (nach: Beschreibung des Oberamtes Aalen. Stuttgart 1854, S. 297) bereits 1498. Im Jahr 1725 ist von einer Ölmühle die Rede, in den folgenden Jahrzehnten kam noch eine Gipsmühle hinzu.

Auch die Kreuzmühle entstand ursprünglich als Öl- und Gipswerk. Sie wurde 1845 erbaut und etwa 50 Jahre später zu einer Getreidemühle umgerüstet. Die Mühlen in unserer Gegend waren über Jahrhunderte auf Wasserkraft angewiesen. Der Kocher spielte in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle, und auch die Obere und die Untere Mühle (Zimmermann und Scheerer) siedelten sich am Kocher an. Sie befanden sich aber nicht direkt am Flußbett. Ein Kanal zweigt vor der Oberen Mühle ab, führt an der Unteren Mühle vorbei und mündet danach wieder in den Kocher ein. Die Obere Mühle (Zimmermann) existiert heute nicht mehr. Die weiter in Richtung Unterkochen gelegene Untere Mühle ist dagegen noch vorhanden und voll funktionsfähig.

Die Untere Mühle (Scheerer) kann auf eine sehr alte Tradition zurückblicken. Ihre erste urkundliche Erwähnung reicht ins Jahr 1358 zurück, die dortigen Müller lassen sich bis ins Jahr 1390 zurückverfolgen. Die Besitzerfamilie wechselte jedoch häufig. 1862 kaufte Caspar Scheerer, der von Beruf Ziegler war, die Untere Mühle. Ihm gehörte die Ziegelhütte zwischen Oberkochen und Königsbronn. Dort hatten er und seine Vorfahren über 100 Jahre lang feuerfeste Ziegel und Backsteine gebrannt, die von besonderer Qualität waren. Sie fanden z.B. beim Ausmauern der Eisenbahnheizkessel Verwendung. Bevor 1865 die Bahnlinie von Aalen nach Heidenheim fertiggestellt worden war, transportierte Scheerer seine Produkte mit einem Pferdewagen zu seinen Kunden, zu denen z.B. die Maschinenfabrik in Esslingen zählte.


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