Historie schmackhaft serviert

25 Jahre Heimatverein - Stilvoller Festakt mit Ehrung von Gründungsmitgliedern - Facettenreicher Blick in die Geschichte

Es ist angerichtet für ein Vierteljahrhundert Heimatverein. Leckeres Buffet, interessanter Spannungsbogen im Festakt. Keine Spur von Langeweile oder fadem Rückblick. Viele Mosaiksteine bis hin zum überragenden gesanglich-heimatlichen Bilderbogen der Gesangsbarden an der Gitarre, Paul Hug und Gerhard Bahmann.

Der Heimatverein Oberkochen hat sein 25-Jähriges gefeiert und zahlreiche Gründungsmitglieder geehrt. (Foto: ls)

»Wie zu meine beschde Zeida«, sagt Alt-Bürgermeister Harald Gentsch, engagierter Taufpate des Heimatvereins vor 25 Jahren, als er den proppenvollen Bürgersaal sieht. Und Vereinsvorsitzender Karl Elmer hegt die Hoffnung, dass die Mitgliederschraube »angesichts dieses Interesses von derzeit vierhundert auf fünfhundert ansteigen könnte.« Die Freude über das glanzvolle Fest ist auch Bürgermeister Peter Traub ins Gesicht geschrieben, der in seinem Grußwort ausdrückt, warum dieser Verein Heimatverein und nicht anders heißt. »Heimat ist dort, wo wir Wurzeln haben und im Heimatverein ist Herzblut spürbar«, sagt er.

Immer sei es dem Heimatvereins-Team um Erinnerung und Bewahrung auf der einen und um Menschen und deren Geschichte auf der anderen Seite gegangen. Geschichte werde im Netzwerk mit Exponaten im Heimatmuseum erzählt und illustriert. Traub wörtlich: »Ohne Dietrich Bantel wäre der Heimatverein nicht zu dieser bedeutenden Institution geworden und mit Karl Elmer hat er einen würdigen Nachfolger im Amt des Vorsitzenden gefunden.«

Römerkeller wirkt durch

Karl Elmer befasst sich kurz und knapp mit der 25jährigen Erfolgsgeschichte. Mit dem unvergessenen »Bär« Martin Gold habe Dietrich Bantel das stets passende Gespann gebildet. Als 50. Verein in Oberkochen sei man nach der Gründung schnell gewachsen und von Beginn an habe man das große Ziel, die Gründung eines Heimatmuseums, ins Visier genommen, was schon zehn Jahre nach der Vereinsgründung Realität geworden ist. Elmer lässt Zahlen sprechen: 52 kleine Fahrten zu Museen in der Umgebung, 18 mal die beliebte Veranstaltung »Senioren im Schillerhaus«, 49 Vorträge zu heimatkundlichen Themen, fast 5000 Gäste bei den Mühlenfesten und 175 offene Sonntage im Museum mit 8000 Besuchern. Nicht zu vergessen 19 Sonderausstellung unter dem Motto »Exponate aus Oberkochener Häusern.« Ehrenvorsitzender Dietrich Bantel ist spontan-flexibel, legt sein Redemanuskript zur Seite und befasst sich mit dem, was für ihn Heimatverbundenheit und Hingabe zum Heimatverein ausgemacht hat. »Ich bin als Schulmeister von Stuttgart nach Oberkochen versetzt worden und die Oberkochener haben mich rein gelassen«, sagt er. Sein Dank gilt dem damaligen Bürgermeister Harald Gentsch, der sich die Sache Heimatverein und Heimatmuseum ebenfalls zur Herzenssache gemacht habe. »Mein Heimatgefühl ist gewachsen und geblieben«, meint Bantel sichtlich gerührt.

Gentschs Erinnerungen

»Als ich mit 33 Jahren Bürgermeister in Oberkochen wurde, bin ich in eine spannende und pulsierend-junge Stadt bekommen, aber bei der ganzen Fülle von 50 Vereinen wollte und konnte ich nicht verstehen, dass es keinen Heimatverein gibt«, erinnert sich Alt-Bürgermeister Harald Gentsch in seiner noch immer quirligen Art. Er habe den Eindruck gehabt, dass »es in Oberkochen keine Affinität zur eigenen Geschichte gibt.« Nach dem Motto »Ohne Vergangenheit keine Zukunft« habe man sich gemeinsam ans Werk gemacht. Der legendäre »Graf Eberhard-Stammtisch« in der Grube sei entstanden und »mit leidenschaftlicher Unterstützung von Didi Bantel eben auch der Heimatverein.« Gentsch vergisst nicht, weitere fundierte Förderer wie Hans Liersch, René Babilotte, Ulrich Streu, Volkmar Schrenk und Gerd Keydell zu nennen. »Wir sind eine tolle Mannschaft gewesen und der Heimatverein kann optimistisch in die Zukunft blicken«, schließt Harald Gentsch seine Erinnerungen. Der Vorsitzende des Organisationsausschusses Herbert Soutschek überbringt die Grüße der Oberkocher Vereine und »Ex-Bundes-Schorsch« Georg Brunnhuber schlüpft in die Rolle des Historikers und zeigt anschaulich in Zahlen und historischen Fakten auf, wie es schon nach dem dreißigjährigen Krieg durch die Schlacht bei Nördlingen und die zerstörerische Wut der schwedischen Truppen bei der Kocherburg zu einer Zuwanderung nach Oberkochen gekommen ist. Viele Menschen sind aus Tiroler Dörfern nach Oberkochen gekommen und nicht umsonst hätten alte Oberkochener Namen österreichischen Ursprung. Wie zum Beispiel Brunnhuber oder Brandstetter.

So richtig Pepp bekommt der Festakt durch den Auftritt von Paul Hug und Gerhard Bahmann, die nach ihrem »Loblied aufs Schwobaland« auch ihre eigens kreierte »Laudatio aufs Kochertal« intonieren. Anekdoten in Noten, eine Show der Extraklasse, geschnitzt aus echtem Oberkochener Holz.

Ehrungen

Vereinsvorsitzender Karl Elmer nimmt die Ehrung folgender Gründungsmitglieder vor: Lydia Abele, Paul Abele, Suse Bantel, Dietrich Bantel, Kurt Elmer, Joachim Figura, Valeria Franz, Blandina Gentner, Harald Gentsch, Marianne Gold, Martha Gold, Josef Gutknecht, Silvia Hahn, Franz Hausmann, Ottilie Heitele, Rudolf Heller, Marika Kämmerer, Karl Mangold, Willibald Mannes, Anne Schrenk, Sabine Schütze, Bärbel Schurr, Christine Seckler, Rosl Unfried, Karl Unfried, Anton Weber, Hilde Wingert, Harald Wollner und Stephan Zöpf. In Abwesenheit wurden die weiteren Gründungsmitglieder Dr. Hans-Joachim Bayer, Carla Discher, Roland Oed, Karl Seitz und Beate Temper geehrt.

Lothar Schell, Schwäbische Post


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