Gebeine werden wiederbestattet

Knochenfunde aus den ehemaligen Gräbern beim „Hirschgelände“ werden hinter der Stadtbibliothek feierlich beigesetzt.

Pfarrer Ulrich Marstaller feiert den Gottesdienst, bei dem die Gebeine derer bestattet werden, die in den Gräbern beim Hirsch-Gelände gefunden worden sind. Foto: ls

Ein nicht alltäglicher Bestattungsgottesdienst fand hinter der Stadtbibliothek statt. Dort, wo zwischen der alten evangelischen und der katholischen Kirche die „Neue Mitte“ entstehen soll, waren im Frühjahr beim Abbruch des „Hirsch-Geländes“ Gräber entdeckt worden. Zum größten Teil waren es Kindergräber. Dort war im Jahre 1570 der alte evangelische Friedhof aufgemacht worden, der bis ins Jahr 1850 betrieben wurde. Die Gräber waren vom Landesdenkmalamt als „nicht bedeutend“ eingestuft worden.

Die evangelische Kirche und Bürgermeister Peter Traub waren spontan übereingekommen, dass die gefundenen Gebeine in würdiger Form zur Ruhe gesetzt werden sollten. „Dieser Bestattungsgottesdienst ist der Humanität und Christenpflicht geschuldet“, betonte Pfarrer Ulrich Marstaller. Man könne und wolle das Zeugnis der Vorfahren nicht einfach beseitigen. In Fürbitten wurden Ehrfurcht und Respekt vor den Vorfahren ausgedrückt. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Blockflöten-Ensemble unter Leitung von Ruth Koch.

„Dieser Gottesdienst ist der Humanität und Christenpflicht geschuldet.“ (Ulrich Marstaller, evangelischer Pfarrer)

Lokalhistoriker Dietrich Bantel ging in seinem Vortrag auf die Historie des Bestattungswesens in Oberkochen ein. Seit 1582 kenne man zwei konfessionell getrennte Friedhöfe in Oberkochen. 1850 sei der alte evangelische Friedhof aufgelöst und in die Katzenbachstraße verlegt worden, der katholische Friedhof wurde nach außerhalb in Richtung Bahn verlegt. Auf dem Hirsch-Nagel-Gelände seien 2017 bei einer großflächigen Untersuchung des alten evangelischen Friedhofs rund 100 Gräber gefunden worden, die das Landesdenkmalamt als „nicht weiter von archäologischer und kulturhistorischer Bedeutung“ befunden habe.

„Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Beginn neuen Lebens“, sagte Pfarrer Ulrich Marstaller am Ende der Wiederbeisetzungsfeier.

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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