Talk-Show im Mühlensaal

Der Heimatverein feiert seinen 30. Geburtstag, das Heimatmuseum besteht seit zwei Jahrzehnten. Fazit: Und Oberkochen hat doch eine Geschichte.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Karl Elmer, Ehrenvorsitzender Didi Bantel und die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Alfred Fichtner und Richard Burger. Fotos: ls

Im Mühlensaal sind zwar ein paar Stühle freigeblieben. Wer nicht gekommen ist, hat allerdings vibrierend-spannende Heimatgeschichte versäumt. Nicht zuletzt die Talk-Show mit Interviewer Richard Burger und dem wandelnden historischen Lexikon Dietrich Bantel, seines Zeichens Ehrenvorsitzender des Heimatvereins und spiritus rector des Heimatmuseums, war allein schon das Kommen wert. Vorsitzender Karl Elmer bezeichnete Bantel als Triebfeder des Vereins, der erste stellvertretende Vorsitzende Richard Burger nannte ihn „personifizierte Geschichtsarbeit.“ Als 1980 alemannische Gräber in der Dreißentalstraße gefunden wurden, war dies eigentlich der Anlass, sich mit der Gründung eines Heimatvereins und eines Heimatmuseums zu befassen. Bürgermeister Peter Traub hatte in den Annalen gekramt und sagte: „Es wurde bezweifelt, ob Oberkochen überhaupt eine Geschichte hat.“ Seltsamerweise, denn es war bekannt, dass Oberkochen auf eine fünftausendjährige Siedlungsgeschichte verweisen konnte. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, zitierte der Bürgermeister Alexander Humboldt. In dieselbe Kerbe hob in seinem Grußwort für die Vereine Orga-Vorsitzender Herbert Soutschek. „Zukunft und Gegenwart, beides lebt auf Fundamenten, die unsere Vorfahren gelegt haben“, sagte er. Wer in der Zukunft lesen wolle, müsse in der Vergangenheit blättern. „Das Heimatmuseum ist heute aus dem kulturellen Leben von Oberkochen nicht mehr wegzudenken“, fuhr Soutschek fort.

Vorsitzender Karl Elmer blendete zurück in „30 Jahre Heimatverein“. Das Zehn-Punkte-Programm, das sein Vorgänger Didi Bantel bei der Gründung auf die Agenda gesetzt habe, sei nahezu komplett abgearbeitet. Absolut im Fokus habe seinerzeit die Gründung eines Heimatmuseums gestanden. Wenn man in Bälde das Schillerhaus komplett zur Verfügung habe, könne man die Dauerausstellungen fokussieren. Nicht unerwähnt ließ Elmer die nach eigenen Worten die von Andy Neuhäuser gestaltete und „hervorragend frequentierte Website.“

„Das Heimatmuseum ist aus dem kulturellen Leben nicht wegzudenken“ (Herbert Soutschek, Vorsitzender des Organisationsausschusses Oberkochener Vereine.)

Kurz und knackig, aber locker, luftig und informativ machten es Richard Burger und Didi Bantel in der folgenden Talk-show. Dabei erfuhren die Besucher, dass in Bantels Kopf Träume an ein Heimatmuseum wohl schon bei den Ausgrabungen des Römerkellers anno 1971 schwelten. Zuerst waren „die Scherben“ in Vitrinen im Gymnasium ausgestellt. Das Schillerhaus bekam man später als „veredelten Rohbau und es war Kärrner-Arbeit für den Ausbau zu verrichten“, so Bantel. Dort ist heute fast alles zu sehen „von Adam und Eva bis zur Stadterhebung“, fügt Bantel hinzu. Dass „der Schiller damals im Gemeinderat alles andere als unumstritten war“, lässt der Ehrenvorsitzende nicht außen vor. Erinnert wurde an den „legendären Bär“ (Martin Gold) mit all den historischen Schätzen in seiner Bärenhöhle. Oberkochen hat eben doch Geschichte, und eine interessante und differenzierte gleichermaßen, so das Fazit der Talk-Show. Der Festakt war auch Plattform fürs anstehende Reformationsjubiläum. „Oberkochen und die Fürstpropstei Württemberg – ein Dorf geteilt durch die Reformation“, hieß der Titel eines Power-Point-Vortrags, den Schüler des Ernst Abbe Gymnasiums mit Pfarrer Dr. Torsten Krannich aus Essingen erarbeitet hatten. Schließlich rundete Professor Dr. Immo Eberl aus Ellwangen das Zeitalter der Reformation in seinem Festvortrag ab: „Oberkochen und die Region im Spannungsfeld zwischen Fürstpropstei Ellwangen, Herzogtum Württemberg, Reichsfürsten und Habsburger Kaiserhaus.“

Ehrenvorsitzender Didi Bantel (li.) und stellvertretender Vorsitzender Richard Burger.

 

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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