Schluss der Debatte

Früher verhielten sich die Debatten im Gemeinderat, auf ihre Länge bezogen, umgekehrt proportional zur Bedeutung der zur Beratung anstehenden Themen.
Es wird heute noch ähnlich sein, - denn, je weniger wichtig die Inhalte sind, umso eher kann jeder mitreden…

Die Weisheit: „Selig, wer nichts zu sagen hat und dennoch schweigt“ trifft genauso ins Volle wie Manfred Rommels kluge Anmerkungen in seinem 2008 erschienenen neuesten Buch »Schwäbisches Allerlei«: „Äußere nie eine Meinung, solange du noch keine hast“, oder „Wenn du schon etwas Falsches sagen willst, sprich wenigstens undeutlich“.

Um endlose Debatten, die sich irgendwann im Kreis drehen oder sich in unwichtigen Kleinigkeiten verlieren, zu verhindern, gibt es im Gemeinderat die Möglichkeit, den Antrag auf „Schluss der Debatte“ zu stellen.

Von dieser Möglichkeit machte der kürzlich leider zu früh verstorbene Rechtsanwalt und Stadtrat Arthur Fischer, der für seine knappen und präzisen Diskussionsbeiträge im Gemeinderat bekannt war - Fraktionsmitglied der Freien - hin und wieder gerne Gebrauch.

In den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts ging es in einer Sitzung des Gemeinderats um irgendein technisches Detail. Eigentlich war aus der Sicht der meisten Räte wohl alles gesagt. Aber Stadtrat Anton Hauber, ein echter schwäbischer Difteler, der’s immer ganz genau wissen wollte, gab noch nicht nach, - bis Arthur Fischer den Antrag auf „Schluss der Debatte“ stellte.

Bürgermeister Gustav Bosch bemerkte, dass über diesen Antrag satzungsgemäß sofort abzustimmen sei. Die Abstimmung ergab mit großer Mehrheit, dass dem Antrag des StR Fischer zugestimmt wird, worauf Bürgermeister Bosch das umgehende Ende der Debatte feststellte.

Anton Hauber schimpfte hörbar vor sich hin und meldete sich zu Wort, - worauf Bürgermeister Bosch etwas gönnerhaft sagte: „Herrrr Hauber, - zur Sache?“

StR Hauber fragte mit erregter Stimme: „Herr Birgrmoischdr, hoißt dees, dass i jetz nex meh saga därf?“. „Jawohl, Herr Hauber,- das heißt es“, antwortete der Bürgermeister, worauf Herr Hauber aufstand, und grollend sagte: „Nao ka i ja jetz hoimganga“. Sprach’s, und verließ den Sitzungssaal mit vernehmlichem Türeschließen.

 
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