Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 92
 

Bürgermeister Frank
1879 - 1966

Herrn Franz Uhl verdanken wir den Bericht »Gemeinderat und Schultheiß in schwerer Zeit«. Er war es auch, der das heute veröffentlichte Foto vom 25-jährigen Dienstjubiläum von Schultheiß Frank ausgegraben hat. Herzlichen Dank.

Den anschaulichen und nachdenklich stimmenden Bericht von Herrn Uhl möchten wir seitens des Heimatvereins durch einige wenige direkte Querverweise auf die aus dieser Zeit noch vorliegenden offiziellen Gemeinderatsprotokolle ergänzen:

In den ersten Monaten des Jahres 1933 war es zu Auseinandersetzungen im Oberkochener Gemeinderat gekommen zwischen den Mitgliedern der Zentrumspartei und den Mitgliedern, die mit den neuen Machthabern sympathisierten. Laut Gemeinderatsprotokoll vom 7.7.1933 verließen die 5 Zentrumsmitglieder die Sitzung an diesem Tage demonstrativ, worauf sie der stellvertretende Vorsitzende als »aus dem Gemeinderat ausgeschlossen« bezeichnete. Bürgermeister Frank war aus gesundheitlichen Gründen verhindert gewesen, die Amtsgeschäfte zu führen.

In derselben Sitzung vom 7.7.33 wurden 3 Ersatzmänner in den Gemeinderat berufen (nicht gewählt), die der Ortsgruppe der NSDAP angehörten.

Der Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung lehnte es dann in der Gemeinderats-Sitzung vom 23.11.33, vor genau 56 Jahren, ab, mit Bürgermeister Frank zusammenzuarbeiten.

In der Gemeindrats-Sitzung vom 9.1.34, die dann bereits vom späteren Bürgermeister Heidenreich als eingesetztem Amtsverweser geleitet wurde, heißt es lapidar:

»Kenntnis genommen wird von dem Erlaß des W. (Württembergischen) Innenministeriums vom 28.12.33 inhaltlich dessen Bürgermeister Frank durch Entschließung des Herrn Reichsstatthalters vom 7.12.33 auf Grund §6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt wurde. Nach Ziff. II des genannten Erlaßes ist der Schultheiß a.D. Otto Heidenreich in Oberkochen zum Amtsverweser der Gemeinde bestellt worden und hatte die Geschäfte am 2. Jan. 1934 zu übernehmen«.

Laut den Gemeinderatsprotokollen mußte Bürgermeister Frank monatelang um berechtigte Gehaltsnachforderungen kämpfen, die man ihm mit haltlosen Begründungen vorenthalten wollte.

In einem Protokoll heißt es, daß die Nachzahlung aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Gemeinde (schlechte Steuereingänge, große Steuerlieferungsrückstände) nicht möglich sei. Erst auf Druck des Oberamts Aalen erklärt sich die Gemeinde bereit, die Ausstände zusammen mit dem Ruhegeld in Raten á -,50 Reichspfennig pro Monat abzustottern.

Dietrich Bantel

Doch nun zum Bericht von Herrn Franz Uhl:

Gemeinderat und Schultheiß in schwerer Zeit
Noch einmal hatte sich der Oberkochener Gemeinderat um seinen Schultheißen zum Erinnerungsfoto versammelt. Anlaß gab das 25jährige Dienstjubiläum von Schultheiß Richard Frank, das er am 1. April des Jahres 1930 feiern konnte. Die Aufnahme wurde im Amtszimmer des Schultheißen im alten Rathaus (an der Stelle der heutigen Oberkochener Bank) gemacht, das zugleich auch Sitzungszimmer war. Nach dem Festakt ging man hinüber in den »Hirsch«, wo der gemütliche Teil in schlichtem Rahmen gefeiert wurde. Die Zeit war schlecht; geprägt von Arbeitslosigkeit und Inflation.

Nur wenige Jahre später sind die meisten der abgebildeten Räte und ihr Schultheiß nicht mehr dabei. Bei manchen mag es Amtsmüdigkeit gewesen sein. Bei vielen aber hatte nationalsozialistische Willkür dafür gesorgt. Eine ausgeprägte christliche Grundüberzeugung und ein feines Gespür für das »Ungute«, das sich da anzukündigen schien, verbot ihnen gemeinsames Tun mit den euphorischen Mitläufern, die in der neuen »Marschrichtung« das alleinige Heil sahen. Sie wollten weder die Hakenkreuzfahne hissen, noch die entsprechende Armbinde tragen, wie es eben zu bestimmten Anlässen geboten war. Für diese »Sorte« war natürlich auf dem Rathaus kein Platz mehr und auch privat bekam man so allerlei zu spüren. Auch der amtsenthobene (zum »Eintritt in den Ruhestand« veranlaßte) Bürgermeister Frank und seine Familie hatte in der Zeit von 33 bis 45 (und auch danach) viel zu leiden, zumal es auch mit der Gesundheit schlecht bestellt war. Man wurde von vielen Mitbürgern »geschnitten«. Zu allem Unglück starb auch seine Frau. Wie sollte es weitergehen?

Nach einer kurzen Zwischenstation bei der Oberamtspflege Schwäb. Gmünd versah Richard Frank von 1937 bis 1945 das Amt des Gemeindepflegers in der Nachbargemeinde Unterkochen, bevor er kurz nach Kriegsende von den Amerikanern noch einmal als kommissarischer Bürgermeister von Oberkochen (bis März 46) und Unterkochen (bis August 47) eingesetzt wurde. Langjährige Tätigkeiten im hiesigen katholischen Kirchenstifungsrat (Kirchengemeinderat), als Vorstand und Ehrenmitglied beim Sängerbund, Vorstand beim Musikverein, Mitbegründer des Roten Kreuzes in Oberkochen, der Kolpingsfamilie und des Turnvereins, sowie Mitglied des Schwäbischen Albvereins und des Deutschen Imkerverbandes zeichnen diesen Mann als einen vorbildlichen Diener des Gemeindewohls aus. Ähnliches kann von den meisten der abgebildeten Oberkochener Kommunalpolitiker dieser Zeit gesagt werden. Wer wollte leugnen, daß einiges von diesem Geist auch bei den heutigen Stadträten noch zu spüren ist, oder?

Franz Uhl

 
 
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