Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 81
 

Vor 160 Jahren in der »Bilz«

Die bereits erwähnte »Urkarte« von 1830 führt uns möglicherweise auf die Spur des »Bilzhannes«. Wir veröffentlichen diese Karte heute im Ausschnitt, ergänzt durch gestrichelte Wegführungen, die damals noch nicht bestanden (hinteres Tiefentalsträßchen, das von der Hagentalabzweigung zur Bilzhütte führt, den Schneckenburrenweg, an dem die Bilzhülbe liegt - sie ist in der Urkarte von 1830 exakt eingezeichnet, und die Position des »Bilzhauses« etc...). Der Vicinalweg, der den ehemaligen gemeindeeigenen Weidegrund diagonal durchquert, besteht heute nicht mehr. Er führte früher über das »Saure Mahd« zwischen der Brunnenebene und dem Volkmarsberg direkt in den »Kessel« und das Dreißental hinab nach Oberkochen. Je nach Gehtempo etwa eine halbe Stunde Weg zu Fuß.

Trotz der zahlreichen Überarbeitungen läßt sich der Unterschied zwischen dem seinerzeitigen Weideland, das um diese Zeit sukzessive aufgegeben wurde, und dem umgebenden Waldland in der graphischen Strukturierung sehr gut erkennen. Die Fläche war um 1830 weitgehend in Oberkochener Privatbesitz - heute gemeindeeigen.

Es fällt auf, daß die Fläche sehr kleinteilig parzelliert ist. Die vergrößert nachgetragenen Nummern entsprechen denen des Urkatasters, in welchem unter diesen Nummern die seinerzeitigen Besitzer eingetragen sind. Die damaligen Grundbesitzer in der »Bilz« waren:

Parzelle 2704: Johannes Fuchs, Hirschwirth, Klosterbilz, Hohe Maad, Weide und Laubgebüsch
Parzelle 2705: Melchior Grupp, Bauer, Kochemer Mäder
Parzelle 2706: Der Staat, Forstamt Heidenheim, Laubwald
Parzelle 2707: Christoph Beiswänger, Bauer, Kaspar Wiedmann, Bauer und Ochsenwirt, gemeinschaftlich je zur Hälfte, Klosterbilz, Weide und Laubgebüsch
Parzelle 2708: Evangel. Schuldienst, (Gemeindepflege Oberkochen)
Parzelle 2709: Der Staat, Forstamt Heidenheim, Bilz Schneckenburren, Laubwald
Parzelle 2710: Joachim Grupp, Bauer, eine Hälfte, Franz Anton Brandstetter, Bauers Wts, ein Viertel, Georg Grupp, Bauer, ein Viertel - gemeinschaftlich, Weide mit Laubgebüsch
Parzelle 2711: Christoph Mek, Bauer, Bilz, Weide mit Laubgebüsch, Hilbe
Parzelle 2712: Johannes Fuchs, Hirschwirth, Weide mit Laubgebüsch
Parzelle 2713: Mathäus Wiedenhöfer, Flurschütz, Hilbe
Parzelle 2714: Joseph Stadelmaier, Unter-Müller, Weide mit Laubgebüsch
Parzelle 2715: Alt-Johannes Grupp, Bauer, Klosterbilz
Parzelle 2716: Der Staat (K. Forstamt Heidenheim), Steinboos, Laubwald, Weg

Die beiden dicht beisammen liegenden Vermessungspunkte, die exakt im Bereich der von uns in die Urkarte eingezeichneten Bilzhausfläche befinden, fallen auf. Sie könnten ein Hinweis darauf sein, daß doch noch in irgendeiner Weise Bezug auf das dort abgebrochene Haus genommen wurde. Vor allem aber fällt auf, daß einer der 3 Grundstücksbesitzer, die in der Bilzhausfläche aneinandergrenzen, ein Flurschütz namens Mathäus Wiedenhöfer ist.

Nach dem Stand unserer bisherigen Nachforschungen hat dieser Mathäus Wiedenhöfer hervorragende Karten in der Frage, wer der Bilzhannes nun wirklich war. Doch davon das nächste Mal.

(Zur besseren Orientierung veröffentlichen wir einen Ausschnitt aus der Forstbezirkskarte Oberkochen von 1965, auf der die Geländeunebenheiten im Bereich des »Bilzhauses« als 2 Dolinen (Erdfälle) eingezeichnet sind.)

Dietrich Bantel

 
 
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