Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 693
 

Max Holdenried – ein Oberkochener Künstler

Info

Ursprünglich war für dieses Jahr eine andere Reihenfolge der Berichte geplant. Aber die neue DSGVO überrollte am 25. Mai 2018 auch die Vereine und die Verunsicherung war groß. Es hat einige Wochen gedauert bis alles geregelt war und deshalb musste der ursprünglich geplante Mehrteiler über’s Kies verschoben werden. Viele wissen bereits davon weil auch viele daran mitgewirkt haben. Also im Oktober, November und Dezember gibt es nur ein Thema „Das Kies“. Und da erhoffe ich mir nicht nur, dass reichlich gelesen sondern auch gesprochen und diskutiert wird.

 

Vorweg

Vor 12 Jahren, im Juli 2006, habe ich meinen ersten Bericht mit der Nr. 500 über unser Haus geschrieben. Didi Bantel fand meine Idee, über das erste Fertighaus in Oberkochen zu schreiben, gut. Dass daraus mit dem heutigen Bericht nun schon der 50te über meinen Schreibtisch geht, hätte ich nie gedacht. Mein Gedanke damals war: „Jetzt schreibsch halt mal den Bericht und das war’s dann.“ Weit gefehlt. Didi’s Bereitschaft die Plattform des Heimatvereins (WebSite und BuG) zur Verfügung zu stellen, sowie Eure Ideen, Geschichten und Fotos und meine Kunst, das alles in schön lesbare Worte zu fassen, führte dazu, dass derzeit noch kein Ende in Sicht ist. Aber wie heißt es so schön? Ohne Moos nix los – Umgemünzt bedeutet das: Ohne Stoff nix zu lesen. Und da bin ich nach wie vor auf die Bereitschaft der Leserschaft angewiesen, mir die Türen zu öffnen. Deshalb Dankeschön für die bisherige Unterstützung verbunden mit der Bitte um weiteres Engagement.

Die Holdenrieds im Brunkel

 

Die Holdenrieds

Über Franz Holdenried habe ich bereits einen Bericht geschrieben und auch Lothar Schell hat über ihn schon einiges in der Schwäpo zum Besten gegeben. Bei diesen damaligen Recherchen bin ich auch über den verstorbenen Bruder von Franz, Max Holdenried, gestolpert. Bei Sichtung der Unterlagen konnte ich feststellen, dass er ein Mensch und Künstler war, über den es sich zu berichten lohnt. Die Holdenrieds wohnten in Oberkochen zuerst im Kapellenweg, im großen langen Haus mit der Haus Nummer 21.

Die beiden Brüder hatten das Künstlerische bereits in die Wiege gelegt bekommen. In Oberkochen verbrachten sie ihre gemeinsame Kindheit bis sich der Lebensweg der beiden trennte. 1953 zogen sie mit ihrem Vater Maximilian nach Bad Windsheim, um gemeinsam in einer Gießerei zu arbeiten. Ein paar Jahre später, beide nunmehr gestandene Former, kam Franz nach Oberkochen zurück und Max zog es nach Malmsheim. Äußerst interessant ist, dass beide maßgeblich in der jeweiligen Fastnachts-Szene tätig waren. Franz bei den hiesigen Schlaggawäschern und Max bei der Weiler Fasnet.

Max Holdenried (geb. 21. Mai 1936, gest. 08. März 2013)

 

Über Max

Er wurde am 21. Mai 1936 in Ehningen bei Berg an der Donau geboren und starb am 8. März 2013 in Malmsheim. Dazwischen lag ein fast 77jähriges Arbeits- und Künstlerleben. Seine Frau Marianne geb. Renner lernte er bereits mit 17 Jahren in Oberkochen kennen und zog mit ihr im gleichen Jahr, noch nicht volljährig, in die Heimatgemeinde von Marianne. Er fing bei der Firma Solo an zu arbeiten (Kleinmotorräder, Rasenmäher, Motorsägen) und blieb ihre 23 Jahre lang treu. Später wechselte er zu Porsche, das näher zu seinem Wohnort lag und blieb dort 10 Jahre. Seine Liebe gehörte von Kind an dem Züchten des lieben Federviehs und später besonders der Zucht von „Englischen Nonnen“ (Achtung liebe Leser – das sind Tauben ☺). In dieser Sparte war er auch als Schriftsteller und Preisrichter tätig.

Bericht „Max Holdenried – genialer Künstler, Autor, exzellenter Züchter und Preisrichter
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Zuhause in Malmsheim umgab er sich immer gerne mit Tieren. So zählten Tauben, Pony, Ziege, Pferd, Katze und sein Chihuahua „Oskar“ zu seinen Pfleglingen, solange es seine Gesundheit zuließ. Seine künstlerische Arbeit beschränkte sich lange Zeit auf die Geflügelwelt, bei der er auch durch seine Beobachtungsgabe Maßstäbe setzte. Seine Werke finden sich weltweit in Geflügel-Museen platziert, die meisten davon im Deutschen Taubenmuseum in Nürnberg. Unermüdlich, durch seine schwere Krankheit gehandicapt, machte er nicht selten die Nacht zum Tag und schuf in seinem kleinen Studio des Nachts seine kleinen Meisterwerke. Seien es die Bilder oder die Tiermodelle, Skulpturen aus Metall und Keramik. Seine Bilder finden wir auch in Fachbuchreihen, auf Postern und Sonderblättern.

Ein Taubenhändler unterwegs

 

Taubenmarktszene in Wasserburg am Inn

 

Fränkische und Nürnberger Taubenrassen

 

Stammbaum der Rassetauben

 

Kind aus Brasilien

 

In der eigentlichen Kunstszene erlangte er in späten Jahren höchste Anerkennung mit seinen 32 Portraits zum Thema „Kinder der Welt“, die er in Zusammenarbeit mit Franz Pitzal, einem katholischen Geistlichen, schuf und in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentierte. Franz sorgte 2017 dafür, dass diese Bilder inzwischen auch in Oberkochen zu sehen waren. Max porträtierte für dieses Projekt kleinformatige Bilder von Kindern verschiedener Kontinente. Die Vorlagen brachte ihm der Pfarrer Pitzal von seinen vielen Reisen mit und die Arbeiten sind in der Nacht entstanden, die Max immer zum Tage gemacht hat.

Kinder der Welt
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Für die Weiler Narrenzunft war er ebenso unermüdlich tätig und hat dort durch Kreativität und Engagement beim Wagenbau deutliche Spuren hinterlassen. Auch den Zunftorden hat er über 30 Jahre lang modelliert und gestaltet.

Auch als Kinderbuchautor war er tätig und veröffentlichte die beiden Bücher „Villa Taubenglück“ und „Picki, das Küken“.

Seine Kinderbücher
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2013 verlor die oben geschilderte Welt einen emsigen Künstler, Schriftsteller, Preisrichter und Züchter, der Maßstäbe setzte und Spuren hinterließ. Über die Jahre hinweg widmete er sich seiner Liebe der detailgetreuen künstlerischen Darstellung des „Federviehs“. Ohne Unterstützung seiner Familie wäre ihm das so nicht möglich gewesen. Wenn man sich mit Franz über Max unterhält, merkt man den Stolz des jüngeren auf den älteren Bruder, der in jungen Jahren Oberkochen der Liebe wegen verließ. Beide Brüder, Max und Franz, formten die Welt auf ihre Art im Kleinen nach, wie sie diese im Großen vorfanden.

Das Grab von Max Holdenried

 

Großes Dankeschön an Franz für die Unterlagen und die Bilder.

Es grüßt Wilfried Billie Wichai Müller vom Sonnenberg.
Email: wichai@t-online.de, Tel.: 07364 - 92 11 10 und Mobil: 0171 2217 530

 

 
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