Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 685
 

Die Bürgermeister von Oberkochen

Intro

Dieses Jahr, am 10. Dezember 2017, finden wieder einmal Bürgermeisterwahlen statt. Das ist oft, aber nicht immer, eine spannende Angelegenheit. Wird der „alte“ problemlos wiedergewählt oder traut sich ein einheimischer oder fremder Bewerber (mit oder ohne Unterstützung der örtlichen Parteien) seinen Hut in den Ring zu werfen? Ja – die Ausschreibungsfrist endete am 13. Nov. 2017 und es meldete sich der Oberkochener Max Wirth als weiterer Bewerber. Somit wird die Wahl wider Erwarten doch kein Selbstläufer werden. In diesem Zusammenhang bietet es sich einfach mal die Gelegenheit auf alle Bürgermeister zurückzuschauen. Beim Recherchieren gewann ich den Eindruck, dass in der neueren Zeit die wohl wichtigste Wahl, die im Jahr 1953 war.

 

Der Bürgermeister

ist das Oberhaupt einer Gemeinde. Das baden-württembergische Kommunalrecht folgt dem so genannten Modell der Süddeutschen Ratsverfassung. Diese gibt dem direkt gewählten Bürgermeister eine relativ starke Stellung gegenüber dem Gemeinderat. Er ist Vorsitzender des Gemeinderates und Leiter der Gemeindeverwaltung und vertritt die Gemeinde nach außen. Die starke Stellung des Bürgermeisters drückt sich auch darin aus, dass er dem Gemeinderat vorsitzt. Er bereitet damit die Sitzungen des Gemeinderats und der Ausschüsse vor und vollzieht die Beschlüsse. Weiterhin muss er gesetzwidrigen Beschlüssen des Gemeinderats widersprechen. Der Widerspruch hat aufschiebende Wirkung. In dringenden Angelegenheiten des Gemeinderats, bei denen die Eilbedürftigkeit eine Sitzung des Gemeinderates nicht zulässt, entscheidet der Bürgermeister anstelle des Gemeinderats. Zudem leitet er die Gemeindeverwaltung, bestimmt die Organisation der Gemeindeverwaltung und legt im Einvernehmen mit dem Gemeinderat die Geschäftsverteilung der Beigeordneten fest. Des Weiteren ist er Vorgesetzter, Dienstvorgesetzter und oberste Dienstbehörde der Gemeindemitarbeiter. In BW gab es früher die Bezeichnung „Schultes oder Schultheiß“ für den Ortsvorsteher. Seit 1. Dezember 1930 lautet die offizielle Bezeichnung „Bürgermeister“. Schultheiß ist auch die Basisform eines der meist vorkommenden Familiennamens in Deutschland. Variationen davon sind: „Schulz, Schulze, Schulte, Schult, Schultz, Schultze, Schulzeck, Schulten, Schuldt, Schulthess, Scholtes, Schotes, Schultheiss, Schultheis, Heiss, Heiß“. Daneben die aus dem Schlesischen kommenden Varianten Scholz, Scholze etc. Im Schwäbischen wurde aus dem Wort Schultheiß der Schultes.

 

Die Amtskette

legimitiert den Träger als das was er ist und repräsentiert: Der Bürgermeister der Stadt Oberkochen. Dieses Symbol der Stadt Oberkochen wurde anlässlich der Stadterhebung im Jahr 1968 von örtlichen Einzelhändlern, Industriellen, Freiberuflern und Banken gestiftet. Diese Amtskette ist ein prachtvolles und kostbares Exemplar, das die Freude und den Stolz der Bürgerschaft über ihre Stadt widerspiegelt. So etwas kann man natürlich nicht von der Stange kaufen. Daher wurde sie extra angefertigt. Der aktuelle Bürgermeister Traub legt sie nur bei ganz besonderen Anlässen an. Was fühlt man wenn man sie anlegt? Nun, zunächst mal rund 1 Kilogramm Gewicht. Das viele Gold und Silber wiegt schwer und es könnte einem quasi symbolisch deutlich machen, dass das Amt des Bürgermeisters sowohl schön als auch manchmal schwer ist und somit Freude macht als auch eine Bürde darstellt.

Bürgermeister Gustav Bosch mit Amtskette (1948-1977)

 

Welche Qualitäten sollte ein Bürgermeister haben?

Im Laufe der Jahre durchliefen verschieden „Typen“ von Bürgermeistern unsere Gemeinde: Gestandene Persönlichkeiten, Obrigkeitshörige, Volksnahe, Visionäre, Verwaltungsfachleute und alle Mischungen, die möglich sind. Es gibt nur wenige Berufsgruppen, die so im öffentlichen Fokus stehen und einem großen Leistungsdruck ausgesetzt sind. Auch werden an ihn große Ansprüche gestellt. Wenn die alle von einem Bürgermeister erfüllt werden, dann ist er schon eine Mischung aus „Superman und Batman“. Es sind dies: Ein wacher Verstand, Charisma, schnelle Auffassungsgabe, Autorität, Seriosität, Überzeugungskraft, Authentizität, starke Persönlichkeit, perfekt im Umgang mit Menschen, Ehrlichkeit, Gradlinigkeit, immer das Wohl der Gemeinde im Auge, stark im Moderieren, sachliche Ruhe, Geduld, gute Personalführung, rhetorische Fähigkeiten, Verwaltungskompetenz, gut vernetzt sein und nicht zuletzt Belastbarkeit und Kritikfähigkeit. Denn eines ist klar – Jedem rechtmachen, das geht immer schief. Wir sehen, so einen gibt’s ja nirgendwo – oder etwa doch? Aber – egal welche Persönlichkeit der Bürgermeister hat – ohne eine gute Stadtverwaltung und einen gestandenen Gemeinderat kann auch er nichts bewirken.

 

Worin besteht die Lebensleistung eines Bürgermeisters?

Das fragte einst Rudolf Eber im Februar 1978 bei der Verabschiedung des Bürgermeister Gustav Bosch und gab zugleich die Antwort: „Eine Stadt benötigt geistige Impulse und Integrationskraft. Es braucht einen Ansprechpartner für alle Schichten der Bevölkerung sowie das Verständnis für Alt- und Neubürger. Eine hohe Auffassung vom Amt ist hilfreich, eine selbstbewusstes Tragen der Amtskette und ein würdiges Vertreten der Stadt erforderlich. Dies alles und viel mehr ist Gustav Bosch gelungen und er hat sich daher um Oberkochen verdient gemacht.“ Aus diesem Grund wurde ihm auch die Ehrenbürger-Urkunde und das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen. Die Schuhe sind groß, die dieser Bürgermeister hinterlassen hat.

 

Ehrenbürger

In diesem Zusammenhang will ich mal eine kurze Übersicht über die bisherigen Ehrenbürger geben. Interessant ist, dass in den über 20 Jahren nach Gustav Bosch niemandem eine solche Ehre zu Teil wurde. Der Mann war extrem nachhaltig und hinterließ hohe Hürden und große Fußstapfen. Dafür haben wir aktuell gleich 5 unter uns weilende, mit dieser Ehre ausgezeichnete MitbürgerInnen. Hat man auch nicht überall. Das zu Lebzeiten zu erhalten ist halt doch schöner als das posthum von „oben“ erleben zu dürfen. ☺ Siehe dazu auch den folgenden Link:
http://www.oberkochen.de/de/Unsere-Stadt/Ehrenb%C3%BCrger 

 

Wo arbeitet der Bürgermeister?

Natürlich im Rathaus. Früher befand sich das Rathaus an der Stelle wo heute die VR Bank steht, also in der Mitte der damaligen Gemeinde. Wobei es eine Mitte in einem Straßendorf, wie wir es lange waren, doch sehr schwer hat, sich optimal zu entfalten. 1962 bekam das Rathaus einen grausige lila-farbenen Anstrich, der in der Öffentlichkeit heftig diskutiert wurde, sodass sich der Künstler Ernst Wanner und die Poeten E.G Erich Günther und G.B. Gustav Bosch zu Erklärungen genötigt sahen.

Das alte Rathaus 1953 (heute VR Bank)

 

Das Rathaus im neuen Kleid
(zum Vergrößern bitte klicken!)

 

Das alte Rathaus 1962 (heute VR Bank)

 

Rathaus im neuen Kleid (1962 Wanner)
(zum Vergrößern bitte klicken!)

 

Poetisches von Günther und Bosch
(zum Vergrößern bitte klicken!)

Die damalige Oberkochener Bank hat das alte Rathaus 1966 gekauft und abgerissen. Dieses Geschäft wurde von den Herren Gustav Bosch und Oscar Strohmaier abgewickelt. Pünktlich wurde das neue Rathaus 1967 und die Neue Bank 1968 fertig. Wir sehen, es gab mal eine Zeit, da wurde punktgenau gebaut und fertiggestellt. Später, der Ort wuchs rasch und wurde 1968, als die am schnellsten wachsende Gemeinde in BW, zur Stadt erhoben, wurde ein neues und deutlich größeres Rathaus gebraucht.

Das neue Rathaus 1968

Inzwischen, in die Jahre gekommen, wurde es 2010 und 2011 grundsaniert und „geliftet“ und sieht wieder schmuck aus.

In dieser Zeit gab es ein Interimsrathaus im Schwörz.

     
Das Interims-Rathaus während der Sanierung 2009

Wenn dann nächstes Jahr das neue „Hotel am Rathaus“ fertig wird, ist das gesamte Ensemble wieder ansehnlich und wird viele Jahre seinen Zweck erfüllen.

Rathaus und Hotel am Rathaus 2017

 

Das alte Rathaus

Anmerkung zur Rechtschreibung und Sprache – das war damals so üblich und so steht es im Protokoll. Es ist mühselig zu schreiben und auch zu lesen. ☺

Verhandelt vor dem Gemeinderat und dem Bürgerausschuss, den 15. September 1840:

Der Schultheiß Maier trägt heute vor, daß auf das Ableben des Flurers und Bürgers Matthias Widenhöfer, dessen Wohnung verkauft werde und sich dieses Haus zu einem Rathaus beziehungsweise seiner Größe und frequenten Lage halber sich recht hiezu eignen würde, es wäre sich deshalb zu beraten und zu beschließen, ob es angekauft werden solle oder nicht.

Es wurde einstimmig beschlossen: „Nothwendigkeitshalber sei ein Rathaus vonnöten und sollte dieses Haus zu diesem Zweck anerkauft werden.“

Der Gemeinderat: Maier, Holz, Schmidt, Schumacher, Burr, Widenhöfer, Gold, Wingert, Sapper

Der Bürgerausschuss: Grupp, Widmann, Widenhöfer. Kopp, Brunnhuber, Wingert

Das Rathaus wurde dann am 17. September 1840 getätigt.

Am 3. Oktober 1840 verhandelten beide bürgerlichen Collegien: Um die Wohnungseinrichtung in dem erst kürzlich erkauften Hauses des verstorbenen Matthias Widenhöfer zu einer Rathstube, überhaupt um die erforderliche Einrichtung deselben haben sich heute die bürgerlichen Collegien versammelt, um sich zu berathen, wie die Einrichtung getroffen werden solle.

Es wurde nun beschlossen:

  1. Daß der obere Hausoehrn vollends zur Stube verwendet und die Wand dazwischen ausgebrochen werden solle. Da mit diesem Geschäft kein Akkord getroffen werden könne, solle es sowohl von dem Mauerer- und Zimmermeister in Taglohn in Vollzug gesezt werden.
  2. Die Ährenkammer soll mit einer Doppeltüre versehen und zur Registratur verwendet werden und
  3. Solle was zur Rathstube erforderlich ist, z.B. Stühl, Tisch, Ofen, aufs bäldeste angeschafft werden, um dasselbe so bald als möglich beziehen zu können
  4. Die übrigen Bauten hingegen sollen bis aufs nächste Frühjahr, weil es jetzt zum Austrocknen zu spät ist, beruhen gelassen werden

Über den Kaufpreis erfahren wir aus der Niederschrift einer Sitzung vom 18. Mai 1843 folgendes:

Bei Abhör der Schultheißerey-Rechnung p. 1841/1842 werden desertirt, daß das Vermögen der Gemeinde im Etatjahr 1840/1841 um 1538 Gulden 4 Kreuzer u.v. 1841/1842 um 375 Gulden 51 Kreuzer abgenommen habe und dabei angeordnet, daß die Ergänzung dieser Abnahme einzuleiten sei. Es wurde nun nach der Rechnung von 1840/1841 Bl 19b ein Rathhaus angekauft um 2526 Gulden daß auf demselben stehende Gemeinderecht werde wieder verkauft um 663 Gulden. Ferner werde verkauft das Spritzenhaus um 130 Gulden, dann der Arrest um 44 Gulden. Es verbleibt ein Rest von 1689 Gulden. Um das Rathhaus wurde zur Errichtung eines Arrests und eines Rats- und Spritzenraumes verwendet 224 Gulden, hiezu der Ankaufspreis 1689 Gulden, zusammen 1913 Gulden.

In der Rechnung von 1841/1842 kommen neben einigen Überschreitungen von Etatsätzen 272 Gulden 14 Kreuzer vor, welche auf die Hummelhaltung verwendet worden sind, welche Last auf die Gemeinde in Folge daß mit Gottlieb Scheerer geführten Prozesses übernommen worden ist. Somit insgesamt 2185 Gulden 14 Kreuzer.

Unter diesen Umständen verschwindet die Vermögensabnahme, es erscheint im Gegentheil noch eine Zunahme von mehr denn 200 Gulden. Hiernach beschließen die beiden Collegien eine Ergänzung des Fonds durch Umlage unter die Steuercontribuenten nicht eintreten zu lassen, vielmehr die K,Kreisregierung zu bitten, den Ankauf des Rathhauses aus den Mitteln des Fonds genehmigen zu wollen.

Das alte Rathaus 1948 (heute VR Bank) mit Hinweisschild zur „Grube“

 

Hinweisschild „zur Grube“

Julius Metzger fügte 1967 an:

In den über 126 Jahren, die das Haus der Gemeinde als Rathaus diente, waren folgende Hausherren: Siegmund Jonathan Maier, Michael Wingert, Johannes Bezler, Alois Butscher, Franz Anton Bucher, Richard Frank, Otto Heidenreich, Richard Frank, Rudolf Eber und Gustav Bosch.

In den Jahren 1880 bis 1890 begonnene Entwicklung der Industrie, und vor allem die Ansiedlung der Firma Carl Zeiss nach dem II. Weltkrieg, haben aus dem alten Bauerndorf einen Industrieplatz gemacht und viele Veränderungen im Gesamtbild des Ortes mit sich gebracht. Das alte Rathaus konnte die Verwaltung schon lange nicht mehr aufnehmen. Anfang der 50er Jahre mußte zuerst die im Rathaus untergebrachte Amtsdienerwohnung geräumt und zu Diensträumen umgebaut werden. Später nahm das von der Forstverwaltung erworbene alte Forsthaus weitere Amtsräume auf. Seit einigen Jahren dienen angemietete Räume in der Heidenheimer Str. 12 ebenfalls der Verwaltung. Da die Erstellung eines neuen Rathauses auf dem Platz des alten Rathauses aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, beschloß eine weitschauende Gemeindeverwaltung den Neubau am Eugen-Bolz-Platz. Wir verlassen das alte Haus in dem Bewußsein, daß dieser Abschied für das innere Zusammenwachsen der neuen Gemeinde Oberkochen entscheidend ist und damit dem Wohle Oberkochens und all seiner Bürger dienen möge.

 

Alle Bürgermeister in chronologischer Reihenfolge von Gold bis Traub

Am 10. November 1802 wurde die Gefürstete Probstei Ellwangen, und damit der ellwängische Ortsteil von Oberkochen, württembergisch. Die im Amt befindlichen Schultheißen, der ellwängische Johann Sebastian Gold und der württembergische Kaspar Scheerer, führten es dann gemeinsam weiter bis ins Jahr 1819. Gold schied dann altershalber aus und Scheerer behielt das Amt bis 1831.

Sein Nachfolger als Schultheiß wurde bis 1849 der Chirurg Sigmund Jonathan Maier (geb. 1793 gest. 1852). Es folgte der Maurermeister Michael Wingert (geb. 1826 gest. 1899), der das Amt bis 1889 innehatte. Ihm folgte sein Schwiegersohn Johannes Bezler (geb. 1861 gest. 1901), der bis 1891 dienen konnte.

Bis zu diesem Schultheiß wurden alle auf Lebenszeit bestellt. Das erste von der Bürgerschaft im Jahr 1891 in freier Wahl, aber auch noch auf Lebenszeit, gewählte Bürgermeister war Alois Butscher (geb. 1876 gest. 1903). Es folgte Franz Anton Bucher (geb. 1874 gest. ???), dem aber nur eine kurze Amtszeit von 1903 bis 1905 beschieden war. Am 1. April 1905 wurde Richard Frank ebenfalls noch auf Lebenszeit gewählt. Er hatte ein ruhiges ausgleichendes Wesen, das sicher besonders hilfreich in den Krisenjahren war. Davon hatte er reichlich zu bewältigen: Den I. Weltkrieg Inflation, Arbeitslosigkeit, die Wirrender 30er Jahre und die Zeit nach dem II. Weltkrieg. Jedoch führten die politischen Umwälzungen zu einer, im Jahr 1933, von den Nazis erzwungenen Versetzung in den Ruhestand. Ab jetzt wurde wieder, ohne eine Wahl, ein Bürgermeister „von oben“ eingesetzt. Der damalige Bürgermeister hieß Otto Heidenreich (geb. 1899 gest. 1961) und wurde dann auch zwangsläufig nach Ende des Krieges 1945 abgesetzt. Bis März 1946 führte dann Alt-Bürgermeister Richard Frank (geb. 1879 gest. 1966) die Gemeinde nochmals, bis der Gemeinderat 1946 Rudolf Eber (geb. 1914 gest. 1999) auf 2 Jahre wählte. Rudolf Eber hatte sich sicher Hoffnungen gemacht, bei der ersten freien Wahl nach dem Krieg erfolgreich sein zu können, zumal er den Ort durch 2 schwierige Nachkriegsjahre geführt hatte. Aber, wie das oft so ist, auswärtige Bewerber sind oft im Vorteil und Gustav Bosch kam aus Stuttgart, sah und siegte. Die Bürgerschaft durfte nach den Nazis und dem verlorenen Krieg erstmals wieder am 1. Februar 1948 einen Bürgermeister wählen und entschied sich für Gustav Bosch (geb. 1914 gest. 1979). 1953 wurde er wiedergewählt und übte das Amt Insgesamt 30 Jahre lang in Oberkochen aus und prägte die Gemeinde wie kein anderer. Die beiden Dokumente aus dem Jahr 1953 mögen das verdeutlichen.

interessante Wahlaufrufe 1953
(zum Vergrößern bitte klicken!)

 

Gedicht von Erich Günther nach der Bürgermeisterwahl 1953
(zum Vergrößern bitte klicken!)

 

Bürgermeister Bosch’s Danke nach der Wahl 1953
(zum Vergrößern bitte klicken!)

Geschichten, die nur mit ihm und mit dem damaligen Zeitgeist möglich waren, kursieren heute noch in der Erinnerung der Alten und an den Stammtischen. Auch die damaligen Restaurantbesitzer könnten da noch viel über die Nach(t)-Sitzungen berichten, die so nur möglich waren, weil der Bürgermeister die Sperrstunde aufheben konnte. Es gab in Oberkochen damals so viel zu besprechen, da reichte der Tag nicht aus und es mussten manche Nächte geopfert werden, um das Wohl der Bevölkerung zu gewährleisten ☺. Wie sagte einst ein Chef zu mir: „Müller, der Tag hat 24 Stunden. Wenn das nicht genügt, nehmen Sie eben die Nacht dazu ☺.“ Gustav Boschs Tage hatten immer mehr als 24 Stunden. Er war für unsere Gemeinde in der damaligen Zeit in Glücksfall, da es niemals zuvor und danach in unserer Gemeinde solch eine Vielzahl an Anforderungen in kurzer Zeit gab, die im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem Krieg gemeistert werden. Er war ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen über den sehr viele Geschichten in Oberkochen kursieren, deswegen kann es an den Stammtischen auch nie langweilig werden. Meine Hochzeit wollte er höchstpersönlich selbst vornehmen, da meine damalige Frau Lai-ied die erste Thailänderin in unserer Gemeinde war. Damals wussten noch die wenigsten wo Thailand überhaupt liegt. Aber 1978 war er nicht mehr im Amt und so wurden wir von Oberamtmann Feil getraut. Herr Bosch konnte auch sehr bestimmt auftreten und zitierte einst die Herren Bruno Balle und Sepp Merz aufs Rathaus, um ihnen die Leviten ob ihrer öffentlichen Gesangsdarbietungen zum Thema „Heide“ zu lesen. Auf sein Heide-Projekt ließ er gar nicht kommen und da verstand er absolut keinen Spaß. Danach wurde Harald Gentsch (geb. 1944) im Jahr 1978 gewählt und bekleidete das Amt bis 1994. Der Wahlkampf war ein besonderer, denn der externe Bewerber ging von Tür zu Tür, stellte sich persönlich vor und gewann die Wahl eindrucksvoll mit 3.114 Stimmen gegenüber 1.839 Stimmen des lokalen Bewerbers Paul Hug. Dieser Bürgermeister war ein jovialer Typ, sehr volksnah und dem Gesang verbunden. In seine Amtszeit fiel auch der Beginn des Gas-Zeitalters in unserer Stadt, aber auch die Straßensanierungen mit der unglücklichen „Pflasterung“ in den Ortsdurchgangsstraßen und des Dreißentals und unser Heimatbuch. Heute kann man ihn durchaus hin und wieder am Stammtisch „Graf Eberhard“ in der „Grube“ sehen und hören, wenn er seine Stimme erhebt. Der derzeit amtierende, und zur Wahl anstehende Amtsinhaber, ist der gebürtige Unterkochener Peter Traub (geb. 1962). Er setzte sich 1993 mit 54,8% gegen die Mitbewerber Werner Tereba (0,9%) und Klaus Hermann (44,3%) durch. 2001 und 2009 wurde er bestätigt. Bei der letzten Wahl gingen nur 30,8% der Wähler zur Urne und bestätigten ihn mit 94,3%. In seine Amtszeit fallen u.a. folgende wichtige Projekte: Die Ansiedlung der Carl Zeiss SMT AG, die trotz starker Standortkonkurrenten gelang und heute für die Stadt sehr wichtig ist. Der Erhalt und Ausbau der Schulen sowie der Neubau der Kindergärten am Gutenbach und im Wiesenweg ebenso wie der Erhalt des Scheerer’schen Mühlenareals als Teil eines historischen Ortskerns, die Straßensanierung, die zu einer deutlichen Aufwertung des Stadtbildes führte, die Entscheidung für das Hallenbad und das jüngst entschiedene Südkorea Projekt YG-1, das derzeit reichlich für Furore sorgt. 2017 hatte es in sich.

 

Bilder aller Bürgermeister, soweit diese auffindbar waren

   
Bürgermeister Michael Wingert (1849-1869)     Bürgermeister Johannes Bezler (1889-1901)
     
   
Bürgermeister Richard Frank (1905-1933 und 1945-1946)     Bürgermeister Otto Heidenreich (1933-1945)
     
   
Bürgermeister Rudolf Eber (1946-1948)     Bürgermeister Harald Gentsch (1978-1994)

 

Bürgermeister Peter Traub (li.) mit Herausforderer Klaus Hermann

Die Verpflichtungsformel lautet wie folgt:

„Ich gelobe Treue der Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten. Insbesondere gelobe ich, die Rechte der Gemeinde gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern.“

Und so wird einer der beiden Bewerber die Formel sprechen dürfen.

Mit lokalpolitischen Grüßen vom Sonnenberg – Wilfried Billie Wichai Müller
Email: wichai@t-online.de, Tel.: 07364 - 92 11 10 und Mobil: 0171 2217 530

 

 
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